Montag, 22. November 2010

von der wahren trennung

die meisten lebewesen auf dem weiten erdenrund können sich ja nur vermehren, wenn sie zusammen sind. glücklicherweise gilt dies auch für den im volksmund als "höchstes aller lebewesen" titulierten schweinepriester mensch. mal angenommen, die gesetze der natur funktionieren noch, sollte also durch das auseinandergehen nur weniger geistesgestörter paare der parentalgeneration die rate derer in den keller sinken, die in der filialgeneration selbst für den job als blödmannsgehilfe zu unterbelichtet sind (mama doof, papa doof - baby balla balla).

mitnichten! der bereits degenerierte teil der menschheit ist sich nämlich dieses zusammenhangs bewusst geworden und wirkt dem schutz der allgemeinheit durch die dafür notwendige trennung von bekloppt und bekloppt entschieden und mit aller macht entgegen - und bleibt auf gedeih und verderb zusammen.

der noch nicht in die geschlossene abteilung einweisbare teil nutzt insbesondere fratzenbuch und idiotenverzeichnis zur unterwanderung der naturgesetze - und springt damit vom thron aufs schafott. der blöde will sich nicht trennen - er findet ja nichts besseres; der weniger blöde kann sich nicht trennen - wird er doch dank web 2.0 immer wieder gefunden.

die durch das ununterbrochene zusammensein allgemein zu beobachtende anhäufung von geheucheltem freundschaftsmüll muss natürlich auf dauer irgendwann mal kompensiert werden. um sich selbst kein bein abzuhacken, richtet der "zusammene mensch" diesen ausgleich immer, aber auch wirklich immer auf denjenigen, mit dem er üblicherweise nicht zusammen ist, respektive kontakt pflegt. so wird einfach alles getrennt, was ihm vor die flinte kommt: müll, wäsche, parkplätze, kirche, staat und so weiter, und so fort.

diese weitestgehend unerforschte volkskrankheit gipfelt allerdings im supermarkt. was fällt den minderbemittelten eigentlich ein, zwischen meine wurst und meinen käse jedes mal diese affige personifikation ihrer trennungsmanie, diesen warentrennstab zu schmeißen? nicht nur, dass ich die von mir gewählten produkte ohnehin in ausreichendem abstand zum vordermann aufs förderband lege - nein, auch der kassiervorgang an sich verzögert sich durch diesen schwachsinn, weil die schiene in der diese mistdinger gelagert werden so eng und rau ist, dass selbst der preisboxer vom jahrmarkt diesen duplostein mit werbeaufdruck nicht bis ans ende schießen könnte. außerdem hat der arme supermarktbedienstete zusätzlich das problem, dass sich diese impertinenz der trennungskultur in der quengelware verhakt und er alle zehn minuten underberg, kaugummis und kondome neu sortieren darf.

ich bin absoluter befürworter der konfrontationstherapie in allen lebenslagen und sammle deshalb ab jetzt von allen unbesetzten kassen die warentrennstäbe ein, bevor ich mich anstelle. einfach, um den leuten mal nach gutdünken ihren einkauf aufm förderband zu zerhacken. nächste woche folgt der angriff auf das social networking - und spätestens zu weihnachten lass ich mich einliefern. dann bin auch ich endlich zusammen. obwohl... trennung wird sowieso überbewertet.

Montag, 15. November 2010

themenabende II

gestern seit langer zeit mal wieder essen gewesen - und zwar nicht in so ner italienischen kaschemme mit wagenrädern an den terracottafarbenen wänden. und ohne leere chiantiflaschen, die zu kerzenständern umfunktioniert wurden... sogar, ohne anschließend irgendeinen zerhacker oder anderen firlefanz runterwürgen zu müssen, nur weils aufs haus geht und der chef einem sonst mit beleidigtem blick ein ausgesprochen unausgesprochenes hausverbot erteilt. außerdem ohne die üblicherweise grottenmäßig gespielte "kellner-gute-laune" und ohne sich extra fein anzuziehen, wie es alle anderen tun, um sich dann großkotzig über die schlechter gekleideten das vollgestopfte maul zu zerreißen und die ach so netten kellner in den himmel zu loben. ...und ganz besonders bin ich essen gegangen ohne vorurteile.

im gewählten etablissement werden die speisekarten nicht von unterbezahlten lohnsklaven unverschämt spät zum tisch geschleppt, man schneidet sich nicht an lederimitierendem plastikeinband die flossen auf und muss sich auch nicht durch zehn fettbeschmierte klarsichthüllen wühlen. nein - die karten, farbig, aber nicht zu bunt, gedruckt auf einem stück a3 papier, liegen hier ganz schnörkellos als platzdeckchen aufm tisch. zu den gerichten: neben ner menge leckerem schnickschnack aus der allzweckwaffe kartoffel gibts natürlich den obligatorischen komposthaufen als beilage - aber zum glück auch fleisch von erlegtem warmbluter. so weit, so unspektakulär.

ganz, ganz unten auf der karte hat sich jedoch eine mahlzeit versteckt, deren außerachtlassung mindestens frevel, wenn nicht gar ungericht gleichkäme:

angebot: dem bud spencer seine bohnenpfanne

also flux zu totem tier an gemüselappen die bud spencer bohnenpfanne bestellt. im grunde n ganz normales chili - chön charf. der clou an der geschichte ist aber dieser olle holzknüppel, mit dem man früher von muttern immer was hinter die löffel bekommen hat, wenn man sich und den rest des raumes beim essen eingesaut hatte, als gäbe es kein morgen. mit dem teil muss man einfach ne schweinerei hinterlassen - auf tisch, hose und in der fassade. aber - und das war als balg ja auch schon immer so - es schmeckt sich einfach um längen besser, wenn man den arbeitsplatz so hinterlassen kann, als wäre gerade der krieg ausgebrochen oder deutschland weltmeister im curling.

bud spencer's bohnenpfanne im einsatz

bei dieser gelegenheit wurde dann auch der titel für den nächsten themenabend festgelegt: "die lange nacht der italo-western mit bud spencer". dazu natürlich die bohnenpfanne, stilecht nur mit dem holzlöffel aus ner eisenpfanne zu schroten. eigentlich könnte man bis hier her auch sagen: wir gucken bleihaltige kloppereifilme, vertilgen dazu passenden fraß und können am nächsten morgen ne abrissbirne bestellen. nu hab ich aber gestern gesehen, dass hier um die ecke noch n alter handkarren steht. von dem könnte ich des nachts schön die räder abmontieren ausleihen und über den fernseher nageln. dazu aus dem vor jahren ausrangierten tuschkasten noch n bisschen okkergelb und kaminrot verquirlen und auf die tapete schmieren - schon hat man seine eigene kleine italienische kantine. morgen früh werd ich erstma die abgestellten kartons vorm altglascontainer nach chianti durchsuchen. obwohl... mottopartys werden sowieso überbewertet.

Mittwoch, 10. November 2010

telekommunikationswahnsinn

früher hieß es "hallo - hier spricht blablabla, wie geht es dir?" oder "wir haben uns ja lange nicht mehr gesprochen. erzähl doch mal - was machst du so?" - immerhin worte wirklichen interesses. heute dagegen besteht die erste frage viel zu häufig aus den lächerlich herausgekotzten drei worten:
"wo bist du?"
es soll hier nicht der eindruck entstehen, ich würde solche mobiltelefonate nicht mögen - denn vielmehr hasse ich sie!

es ist doch völlig wumpe, wo man sich befindet - man ist ja allem anschein nach nicht dort, wo der gesprächspartner herumlungert. und wäre man an jenem ort, hätte sich das telefonat auch schon erübrigt. trotzdem ruft der im grunde zutiefst bemitleidenswerte telekommunikationsjunkie in den meisten fällen sogar zurück:
"auf dem weg. bis gleich."
totaler schwachsinn - natürlich ist man auf dem weg...
"beeil dich ma!"
"ok. ich sag dem schaffner gleich bescheid, dass wir die nächsten beiden bahnhöfe auslassen."
nun sollte man meinen, dass durch diese subversive argumentationsweise dem telekommunikativen gegenüber zu verstehen gegeben wurde, dass jetzt gut is mit dem gefragescheiß. aber nix da. 5 minuten später vibrierts inner tasche. sms.
"hast du das geschenk dabei?"
"ja"
"ok. ich dachte schon, du hättest es vergessen. das wär peinlich geworden, oder?"
womit wir beim nächsten punkt der hässlichkeit mobiler telekommunikation angelangt wären - der gehäuchelten freundlichkeitsspirale in den gesellschaftlichen gesprächstod - dem krankhaften verfassen von gegenfragen in kurznachrichten. ja reicht es denn nicht, sich die frage einfach beantworten zu lassen? ständig wird man genötigt, sich zu irgendeinem quatsch mit "ja" oder "nein" auszulassen. wie schön war doch die zeit der analogen telefonlotterie. man sah die nummer des anrufenden nicht und haderte mit sich selbst - finanzamt, oder freundin? nicht abnehmen, oder das blöde gequatsche antun?

schön. mittlerweile kann man sich ja wirklich aussuchen, ob abgenommen wird oder nicht. nur blöd dabei, dass schon beim ersten mal der terror beginnt. fünf minuten auf lautlos gestellt, 5 entgangene anrufe, 20 ungelesene sms. so oft könne man ja gar nicht aufm pott sitzen - und ob was passiert wäre. ob denn alles in ordnung ist und was man sich eigentlich einbilden würde! beim anrufen und akku-leer-klingeln-lassen verstreicht anscheinend zu viel zeit - da tippt es sich für den geübten stalkerdaumen um längen schneller. mittlerweile schafft die handyhand ja mehr anschläge pro minute als die usa zu ihren besten zeiten. das sind keine kurznachrichten mehr, das sind ganze pamphlete, die da anschließend umständlich gelöscht werden müssen!

und dann noch das elendige instantmessagegechatte im internet die ganze zeit. wenn jemand was möchte soll er es doch einfach schreiben. ich möchte gar nicht wissen, wie viele an mich gerichtete "hi!" und "na du?!" mittlerweile unbeantwortet im netz versauern. dafür ist diese kacke doch gemacht: um zu schreiben, was man will, auch wenn der andere gerade nicht erreichbar ist. er ist es ja eben wohl. stichwort telekommunikationskompetenz - anscheinend völlig überschätzt.

seit jahren befinde ich mich nun im selbstversuch und langsam stellen sich erste ergebnisse ein. durchschnittlich muss man nur etwa drei monate lang täglich mehrmals mit fragen nach dem derzeitigen aufenthaltsort drangsaliert werden, bis man zusammenbricht und zum analogen telefonanschluss zurückkehren will. aber dann wird der spieß umgedreht, kollegen. keine nummer mehr, die mich verrät und keine kurznachrichten. nur noch mit modemgepiepe ins gemachte netz. dann wird zurückgerufen! obwohl... telekommunikation wird sowieso überbewertet.

Dienstag, 2. November 2010

mehrfachsteckdosen

kennt jeder: mehrere geräte anschließen wollen, wo nur eine steckdose vorhanden ist. fernseher, dvd-player, spielekonsole, verstärker, cd-player und subwoofer. oder tower, monitor, boxen, schreibtischlampe und drucker. leider ist es ja im allgemeinen um die verfügbarkeit von wandsteckdosen nicht so gut bestellt. und bei all den saftsaugenden gerätschaften heutzutage müsste man sich ne komplette bordüre aus schutz-kontakt-dosen an die rauhfaser nageln. dann würde man aber nicht mehr verzweifeln ob der stromversorgungsinsuffizienz - und außerdem hat sich der globale geheimbund der ingenieure zum ziel gesetzt, die welt endgültig in den wahnsinn zu treiben, weshalb kurzerhand die mehrfachsteckdose auf den markt geschmissen wurde.

voller glückseligkeit kann aber nur derjenige darauf zurückgreifen, der nur mal eben ne verlängerung für den fön oder das bügeleisen benötigt. zu früh gefreut haben sich all diejenigen, die tatsächlich alle steckplätze verwenden wollen. der bunte mix aus euro-, und schukosteckern macht dem vorhaben nämlich mal ganz schnell den garaus. nie wollen die drei, fünf, sieben oder zehn stecker komplett in das äquivalent angebotener steckplätze passen. da ist auch die reihenfolge vollkommen egal - es passt einfach nicht. entweder bleiben mehrere steckplätze übrig, in denen sich dann wollmäuse eine neue bleibe suchen, oder es ist mindestens ein verdammter stecker dabei, dessen kabel nicht oben rauskommt, sondern fein rechtwinklig zum stecker abgeht. damit wird dann der zugang zu mindestens einem weiteren platz versperrt - oder im schlimmsten fall der knopp zum ein- und ausschalten der leiste so blöde berührt, dass man sich ab jetzt der ordnungsgemäßen funktion nicht mehr sicher sein kann. das ist dann übrigens dieses "hör mal - hier knistert doch irgendwas!"

ganz schlaue leute kaufen sich mehrfachsteckdosen mit schräggestellten steckplätzen - aber auch hier gilt das selbe prinzip: ein klobiger trafo oder ein unnötig großes ladegerät eingesteckt und nix is mehr mit dem guten strom für alle anvisierten verbraucher.

in meinen räumlichkeiten hier habe ich satte zwei wandsteckdosen. eine davon ist mal gar nicht zu gebrauchen, sitzt die doch mittig in der wand und nicht mal ansatzweise richtung zimmerecke gelegen. die andere sitzt wenigstens in einer ecke, aber an derselben wand. das bedeuetet: um an der gegenüber liegenden wand an strom zu kommen, gehen schonmal zwei dreifachdosen drauf. dann folgt eine 6er-leiste mit knopp und sicherung für den pc kram, und schließlich daran noch ne dreifachdose für das 10 cm zu kurze boxenkabel und den beschissenen achtecktrafo vonner schreibtischlampe.

für insgesamt sieben verbraucher, die ihren strom aus einer einzigen wandsteckdose beziehen, habe ich hier 20 meter kabel, aufgeteilt auf vier mehrfachdosen mit insgesamt fünfzehn steckplätzen liegen, von denen aber nur zehn in gebrauch sind. alle zwei wochen hole ich 1,5 kilo wollmäuse aus den unbenutzten mistdingern raus - und jedes mal aufs neue gerate ich im baumarkt in versuchung, mit noch fünf weiteren mehrfachsteckdosen diese blöden löcher zu stopfen. obwohl... stromversorgung wird sowieso überbewertet.

Mittwoch, 20. Oktober 2010

ökologischer imperativ

seit ewigkeiten - mindestens seit menschengedenken - liegt die erde ja auf der schlachtbank. alles wird mit abc zugepflastert, umgeworfen oder auf generationen verseucht. asphalt, beton und cotoneaster soweit die trüben augen blicken. die letzten stücke "natur" gibt es genau betrachtet gar nicht, weil jeder noch so kleine winkel schon vom ach so einsichtsfähigen, weisen kulturmenschen belatscht wurde. die antarktis und andere zur unmittelbaren zerstörung unbrauchbare fleckchen mal ausgenommen, haben wir es tatsächlich geschafft, in weniger als vierzig jahren eine halbreligiöse und doppelt dogmatische weltanschauung zu rezipieren: die ökologie als manna der opportunisten dieser welt. den ökologismus.

alles soll nachhaltig, regenerativ und sozial vertretbar sein. dabei wälzt sich diese von halbgaren blödmannsgehilfen als wertvoll empfundene ideologie idiotie runter bis auf den kleinen mann, der nur einen kaffee in der mensa trinken möchte: seit diesem semester kostet ein kaffee nämlich nicht mehr funfundsiebzig, sondern satte neunzig cent die tasse. auf meine nachfrage hin, ob der kaffee teurer geworden sei, meinte die kassöse nur "nein - ökologischer."

nehmen wir mal an, dass aus einem kilo kaffee etwa 120 tassen rausgeölt werden können - dann macht das 108 euronen, die für dieses kilogramm in die mensakasse wandern. nimmt man dann mal an, dass dieser höchstwahrscheinlich auch noch "fair getradete" ökokaffee pro kilo vierzig tacken kostet (teureren habe ich gerade nicht gefunden und bei meiner rechnung hier könnt ihr auch noch beliebig nach oben oder unten korrigieren) - also wenn das kilo muckefuck 40 tacken kostet, bleiben immernoch 68 studentische euronen pro kilogramm in der mensakasse als reingewinn. da könnte man nun noch betriebs-, lager- und beschaffungskosten abziehen, die kostenlose kondensmilchplörre und den zucker - was aber wohl eher weniger ins gewicht fällt. denn selbst wenn am ende nur 20 euronen gewinn für die mensa abfallen, sollte man meinen, dass diese kohle den studenten zugute kommt, indem man den preis pro tasse senkt. zum beispiel auf die ehemals (und auch schon damals überteuerten) funfundsiebzig cent. anscheinend ist der kaffee aber nicht nur ökologischer sondern auch ökonomischer geworden.

oder nehmen wir mal paprika. wenn ich mir meine stinknormale umweltnazipaprika kaufe, hat die von spanien bis hier her vielleicht 2.500 kilometer aufm tacho. die ökologisch sinnvollere variante ist natürlich die biopaprika aus israel. diese drei aufgeblasenen kirschtomaten in rot, gelb und grün sollen dem verbraucher suggerieren, dass er damit den ökologischen landbau unterstützt. nicht nur, dass die teile damit aus einer außerordentlich wasserarmen region kommen (was weitreichende folgen für die politik und den naturhaushalt im nahen osten hat) - nein unsere feine biopaprika muss auch noch knappe 6.000 kilometer zurücklegen, bis sie hier im laden weitergammeln darf. die kohlenstoffdioxidbilanz möchte ich sehen...

so lange der ganze müll teuer genug ist, tut man der natur seinem gewissen etwas gutes. da ich aber sonst nichts wiedersehe von meinen knapp tausend mark studiengebühren studierendenbeitrag pro semester, habe ich jetzt unter "vorschläge zur verwendung der studierendenbeiträge" beantragt, dass meine kohle ausschließlich für kaffee ohne gewinn in der mensa verwendet wird. sollte wider erwarten dennoch was dabei übrig bleiben, so kredenze man davon biopaprikasalat für alle - und für lau! obwohl... ökologismus wird sowieso überbewertet.

Mittwoch, 29. September 2010

feine kosten aus bad reichenhall

bad reichenhall muss ein merkwürdiges plätzchen sein. im grunde weiß niemand, wo dieser flecken liegt - und doch weiß jeder, dass es ihn gibt. eben weil niemand umhin kommt, sich ne ansichtskarte von dem nest ins küchenregal zu stellen.

es gibt ja viele verschiedene sorten. zum beispiel von käse, rotwein, schokolade oder wasser. alles gibt es in den unterschiedlichsten varianten, aus den entferntesten ecken der welt und zu den verrücktesten preisen. aus gutem grund auch, wenn so ein käse mit antilopenarschmilben aus namibia verfeinert, ein rotwein im tiefsten kellerverlies kalabriens besonders dunkel gelagert, die schokolade zweieinhalb jahre conchiert, und das französische eau de canalisation fünf mal umetikettiert werden muss. erst wenn es wirklich fein kostet, darf es sich wirklich feinkost nennen.

otto normalverbraucher kann sich diese schweineteure scheiße nicht leisten - weil er dazu gezwungen wird, seine kohle schon bei den einfachsten dingen mit dem schaufelbagger aus dem fenster zu schmeißen:
der ganze veredelungswahnsinn fängt schon beim speisesalz an. da gibt es salz. und extra nochma kochsalz. und jodsalz. und salz mit flourid. und kochsalz mit jod und flourid. und salz mit natriumnitrit und folsäure. und natürlich jede nur erdenkliche mischung aus den vorgenannten.

so viele varianten es in der zusammensetzung gibt, so unterschiedlich sind auch die preise. das geht los mit zwanzig cent das kilo, steigert sich auf knappe zwei euronen pro pfund und endet mit nem fünf euro schein für hundert gramm rieselvergnügen. wäre ja auch kein problem, wenn denn das salz aus salinen in der antarktis oder wenigstens aus australien per einbaum hier angeschippert käme. schaut man sich aber die packungen mal genauer an, stammt der ganze hygroskopierende klimbims in deutschen supermarktregalen aus? na? richtig! bad reichenhall. bei der masse an extrastoffen im salz müssen in dem kaff nebst der saline übrigens noch hunderte chemiefabriken ihr lager aufgeschlagen haben.

und es gibt ja nicht nur ein regal mit salz - manche geschäfte gehen sogar schon dazu über, ganze salzabteilungen einzurichten. bei meinem einkauf gerade eben stand ich mit vier leuten hilflos und schwitzend vor einer wand aus bad reichenhaller ansichtskarten mit natriumchloridfüllung - durch die masse an preisschildern, sorten und motiven völlig verwirrt und panisch das einfachste, günstigste salz suchend. nach zehn minuten wurds mir dann zu blöd und ich hab einfach zugegriffen.

die aktion hat mir natürlich keine ruhe gelassen - so hab ich gerade nochmal auf den kassenzettel geschaut. was soll ich sagen... die nächsten wochen gibts hier an stelle von champagner nur noch abgegossenes nudelwasser, auch wenn champagner umgerechnet günstiger wäre. obwohl... feinkost wird sowieso überbewertet.

Mittwoch, 8. September 2010

warme milch mit honig

da hat man sich mal wieder mit nougatriegel, götterspeise und eiersalat die wampe vollgeballert und liegt beinahe ohnmächtig im ohrensessel. um der exkorporation ein schnippchen zu schlagen, erinnert sich das hirn wie automatisch an ein uraltes geheimrezept zur beruhigung der retrograden peristaltik. weitergegeben von generation zu generation: die warme milch mit honig. jeder schluck, als ob dir ein engel auf die zunge pinkelt. das zeug beruhigt sogar schon olfaktorisch. und wie gut man danach einschläft! warme milch mit honig - ein natürlicher beruhigungstrank von rind und imme.

im wahn also ab in die küche - zutaten und utensilien zusammenstellen. wenn man die ganze scheiße dann da vor sich aufm tisch sieht, wird einem ja schon wieder schlecht: milch, honig, löffel und tasse. bevor man da mal was zusammengebraut hat, ist ja die halbe nacht um.

erstmal gibts da gefühlt jede woche ein neues öffnungssystem für getränkekartons - und für jedes muss man mindestens je zwei semester physik, industriemechanik und sozialanthropologie studiert haben. oberfrechheit: seit neuestem wird sogar die perforation am rand weggelassen. die war vorher der notanker für an dreh- und klappverschlüssen mit silberpapierstreifensicherung verzweifelte milch- und safttrinker wie mich: hatte man das prinzipium perforatum nach jahrelangem selbstversuch nämlich mal verstanden, ging nurmehr ein viertel des inhalts beim öffnen der verpackung auf den teppich. beim trinken oder eingießen zwar genauso viel, aber wenigstens war die kartonage offen.

dann folgt die schmiererei mit dem honig. die mittlerweile fünf leichtgläubig gekauften flaschen mit dem aufdruck "tipp: auf den kopf stellen für bessere entnahme" kriegt man ja bis zur nächsten kernsanierung sowieso nicht mehr aus dem verklebten küchenschrank, also schön ne vollgeotterte plastikfolie von nem neuen glas ziehen und dabei die finger verseuchen. es muss auch immer ein neues glas honig sein, weil der einmal geöffnete schmand schon nach zwei tagen beginnt, eine betonartige konsistenz anzunehmen. um an diese reste zu kommen haben ganz gewitzte mittlerweile ja ne schlagbohrmaschine neben dem mixer stehen oder halten ihr leben lang ein warmwasserbad auf dem herd bereit...

danach gehts ans löffeln. geil wie man ist, auf milch mit honig, vertut man sich regelmäßig mit der reihenfolge: erst die milch erwärmen, dann den honig dazu! so wärs richtig. stattdessen: milch inne tasse, honig drauf und bei 1500 watt ab inne mikrowelle. das geht zehn sekunden gut - dann fängt es an zu blitzen und funken im hochfrequenzgerät. panik. tür auf, flossen verbrennen und tisch mit honiglöffel zuspachteln.

die nächsten zwei wochen verbingt man dann damit, sich durch halbleere betonbehältnisse zu wühlen und die küche von milch mit honig zu befreien, weil man die fünfzehnhundert watt miele-power aufm klo sitzend fahrlässig unterschätzt hat.

ich also den kram lieber wieder zurück gestellt und mir dafür ne flasche zwei wochen offenes mineralwasser gegriffen. engelspisse hätte besser geschmeckt. obwohl... milch mit honig wird sowieso überbewertet.

Freitag, 20. August 2010

themenabende I

man kann sich ja gar nicht mehr retten vor mottopartys. egal ob an geburtstagen, einzügen, abrissen, im privaten kreise oder in der zappelbude. immer und überall muss die wohlverdiente freizeit zumeist völlig sinnlosen leitgedanken irgendwelcher idioten zum opfer gereicht werden. gern gesehen sind dabei insbesondere gesellschaftlich weitestgehend unrelevante themengebiete wie "mafiosi", "70er" und "zombies". solche veranstaltungen sind von vornherein zum scheitern verurteilt. die eine hälfte der geladenen schwachmaten benötigt aufgrund ihrer vermaledeiten genetik ohnehin keine verkleidung und die andere hälfte hat sich ihre letzte camouflage noch immer nicht aus dem gesicht gekratzt.

warum nicht mal einen netten themenabend ohne verkleidungs- und geschminkeschnickschnack? warum sich nicht mal zu einem motto ordentlich die kante wegflexen, ohne die alten schätze aus muttis und vatis kleiderschrank mit ramazotti, tri-top und eckes edelkisch zu versauen? warum keine gesellschaftskritischen mottopartys?

manchmal muss man einfach das rad neu erfinden. und so hieß unsere letzte mottopary "deutsche wurst '42". fein mit nürnberger, frankfurter, thüringer, landjäger, wiener, salami, krakauer und lyoner.
klasse! es muss sich niemand verkleiden oder pampe in die fresse schmieren und insbesondere mit gemüsefressern und pseudopazifisten ergeben sich höchst interessante diskussionspunkte für abendfüllende auseinandersetzungen. aber seid gewarnt - das sodbrennen am nächsten tag ist von einem anderen stern! da freut man sich schon auf die nächste einladung zur mottoparty "gesunde ernährung" bei den ökos von gegenüber. obwohl... mottopartys werden sowieso überbewertet.

"deutsche wurst '42" - eine auswahl

Donnerstag, 1. Juli 2010

casual friday wochen I

heute schon ausm fenster geschaut? oder durch die fußgängerzone gezogen? oder inner mensa gesessen?

da laufen überall leute rum die aussehen, als kämen sie gerade von sylt, fehmarn, haiti - oder wenigstens borkum. mittlerweile scheint es nicht mehr mode sondern obsession zu sein, sich mit flip-flops ins eigene fleisch zu schneiden. omas selbstgestrickte socken sind verpönt und der spalt zwischen großem onkel und zeigezeh wird wie selbstverständlich über die jahre des tragens dieser unmodischsten form der fußbekleidung bis an die hacke gezogen. einmal vor den bordstein treten - unbezahlbar! schade, dass man die schmerzverzerrten augen ob der sonnenbrillen zu oft nicht sieht...

wo verbringt der deutsche am liebsten seine freizeit? richtig. auf der arbeit, in der kneipe oder bei obi. nun war ich in letzter zeit genug besoffen arbeiten und bin deshalb zur abwechslung heute morgen mal zum baumarkt geschlendert, um mich nach nägeln zu erkundigen. da gibts nicht nur so billige handelsübliche, vorverrostete zimmermannsnägel wie man sie vom jahrmarktsbalken kennt (ein schlag pro nagel) - es gibt auch so ganz kleine, etwa zwei zentimeter lange nägel mit besonders schwerem kopf für großes geld. und genau davon hab ich mir ne tausenderpackung besorgt. meine beste hose hat nämlich seit kurzem ein loch in der tasche - und durch das passt so ein kleiner nagel wunderbar. der fällt durchs loch und stellt sich dank schwerem kopf schön mit der spitzen seite nach oben.

gleich gehts dann erstmal mit winterstiefeln in die stadt - die ganze tasche voll mit nägeln. dann wollen wir doch mal sehen, wie schnell ich die flip-flops ausradiert bekomme. dabei ist es egal, ob der effekt sofort "eintritt" - ich hab die extrateuren feuerverzinkten gekauft - die rosten nicht und damit hat die halbe stadt noch jahrelang spaß! irgendwann muss schluss sein mit den casual friday wochen im sommer. obwohl... flip-flops werden sowieso überbewertet.

Mittwoch, 9. Juni 2010

gute und böse termine

gibt ja so gute termine, an die muss man sich nicht halten - allein schon aus selbstgefälligkeit. bei solchen terminen trägt man selbst die verantwortung dafür, dass sie irgendwann passieren. man kann sie so lange vor sich herschieben, wie man will. oder vorziehen. oder ausfallen lassen. kurze abklärung, abwägung oder umentscheidung und fertig ist die laube. der zahnarztbesuch etwa, weil der backenzahn noch ne woche länger bluten kann. oder der einkauf fürs wochenende, weil noch genug bier im kühlschrank lagert. oder die autowäsche, weil dem schwarzen fiat panda der offroad look in grau und vogelscheißeweiß auch ganz gut steht.

und dann gibts ja so böse termine, an die muss man sich einfach halten - allein schon aus gruppenzwang. bei solchen terminen tragen nämlich andere die verantwortung dafür, dass sie reibungslos ablaufen. man kann sie nicht einfach vor sich herschieben, vorziehen oder ausfallen lassen. das gebieten anstand, sitte und anwesenheitspflicht. omas geburtstag etwa, weil man der schlecht erzählen kann, dass sie mit ihrem 85sten mal schön bis nach der wm warten soll. oder die silvesterparty so kurz nach weihnachten, weil dafür hätte man papst gregor dem dreizehnten schon 1582 auf die schnauze hauen müssen. oder eine exkursion, weil man auch diesen termin mühsam wochen vorher im kalender freigeschaufelt hat. aber moment. gehören exkursionen wirklich dazu?

es gibt nämlich leider immer mehr idioten, die entweder den unterschied dieser zwei arten von terminen nicht kennen, oder ihn nicht kennen wollen. so kommt es in letzter zeit viel zu häufig vor, dass der vor arbeit keuchende einzelstudent idiot mit den fadenscheinigsten begründungen beim professor vorstellig wird, doch bitte die exkursion mal eben dem eigenen kalender anzupassen. wär ja nicht so schlimm, fände er mit seinen ausreden dann nicht auch noch gehör beim ohnehin gelangweilten lehrbeauftragten. der rest des semesters erfährt dann etwa eine woche vor dem eigentlich geplanten termin, dass es nun doch schon übermorgen los geht - oder schlimmstenfalls vorgestern. kann man dann aus irgendwelchen ach so unwichtigen persönlichen gründen (oder aus prinzip) nicht teilnehmen, kriegt man um die ohren gehauen, dass man gefälligst flexibel sein soll in der heutigen zeit. stichwort soft skills. außerdem könne man das modul ja auch noch wiederholen. für fünfhundert euronen studiengebühr selbstverständlich.

na zum glück gings nicht vorgestern los, sondern erst gestern - und ich hatte zwanzig minuten vor abfahrt dann doch noch davon erfahren. aber nach dem stress und der aufregerei musste heute erstmal im kalender vermerkt werden: "oberste priorität, morgen sofort erledigen: backenzahn ziehen lassen und mit der narkose ab in die waschstraße. danach sprit fürs wochenende besorgen!!"

übermorgen ruf ich meine oma wegen der wm an. und wo ich schon dabei bin, wird auch silvester mitten in den januar gelegt - egal, wem ich dafür auf die schnauze hauen muss. obwohl... termine werden sowieso überbewertet.

Dienstag, 1. Juni 2010

der tag der arbeit

da ist er also - der erste richtige eintrag im neuen blog. fantastisch. doof nur, dass ich die alten einträge nicht wiederfinde. anscheinend habe ich mir in irgend nem rausch mal richtig mühe gegeben, keine spuren zu hinterlassen. wenn doch nur jeder rausch so produktiv wäre...

ist aber auch nicht schlimm. so habe ich eben heute meinen ganz persönlichen "tag der arbeit". eigentlich gehört es sich ja so, dass der ostfriese sich am abend des dreißigsten april - vor sonnenuntergang - in gemeinschaft einen in den kopp tut und nen baum aufstellt. denn fuseln in der gruppe braucht traditionsgemäß nur einen guten grund eine gute ausrede. so sitzt man denn des nachts am baum und hangelt sich durch geschichten, hopfencracker und hochprozentiges. wenn dann alle irgendwann bei laune sind und sich aufmachen, der gruppe um die exfreundin mal gehörig den monat zu vermiesen, ist auch die nächste keilerei mit der örtlichen dorfjugend nicht mehr weit. da wird dann fröhlich und mitunter handgreiflich ausdiskutiert, wer denn jetzt wie oft mitm spaten und überhaupt.

viel zu oft kommt man ohne trophäe nach haus, muss aber feststellen, dass der eigene baum mittlerweile einen garten weiter gewandert ist. auch hier wird oft großes palaver betrieben. sinnlos - denn zurechnungsfähig sind die nachbarn genau so wenig wie man selbst, so kurz vor sonnenaufgang. den abschluss dieser durchzechten nacht bildet mal wieder das geschlossene rühreivertilgen morgens um elf. am nächsten tag hat dann das ganze dorf fein nen schädel - und einen monat zeit, den geklauten baum wieder auszulösen. dieser monat ist jetzt um. tjoar - schade drum.

eigentlich gehört es sich so. leider kann aber nicht jeder ostfriese zu diesem spektakel in seiner heimat sein und muss sich dann selbst einen reintun. selbstverständlich auch von sonnenuntergang ab an. natürlich nicht zum selbstzweck sondern aus verbundenheit, denn fuseln alleine braucht traditionsgemäß nur eine gute ausrede einen guten grund. auch hier tun gerstensaft und schnappes gute dienste, um mit erreichtem pegel die ganze welt nicht nur umarmen, sondern gleich erlösen zu wollen. der schädel am nächsten morgen wird natürlich irgendwann eingeplant, selbstreflektiert wie man ist, so kurz vor sonnenaufgang.

dann um elf beim rühreimachen klingelt unvermittelt das telefon und die freundin versucht einem zu verklickern, dass sie jetzt wie oft schon und überhaupt. viel zu oft kommt man danach ohne freundin nach hause und muss feststellen, dass die wahrscheinlich einen gärtner weiter gewandert ist. auch hier wird oft großes palaver betrieben. sinnlos - denn zurechnungsfähig war man sowieso nicht bei dem telefonat. aber auch dann hat man einen monat zeit. dieser monat ist jetzt um. tjoar - schade drum.

kann ich mich immerhin nächstes jahr aufmachen, der gruppe um die exfreundin gehörig den mai zu versauen. obwohl... der tag der arbeit wird sowieso überbewertet.

Dienstag, 18. Mai 2010

"is da schon was los?"

"...nee er tippt noch." - "ok. penn ich weiter."