Mittwoch, 9. Juni 2010

gute und böse termine

gibt ja so gute termine, an die muss man sich nicht halten - allein schon aus selbstgefälligkeit. bei solchen terminen trägt man selbst die verantwortung dafür, dass sie irgendwann passieren. man kann sie so lange vor sich herschieben, wie man will. oder vorziehen. oder ausfallen lassen. kurze abklärung, abwägung oder umentscheidung und fertig ist die laube. der zahnarztbesuch etwa, weil der backenzahn noch ne woche länger bluten kann. oder der einkauf fürs wochenende, weil noch genug bier im kühlschrank lagert. oder die autowäsche, weil dem schwarzen fiat panda der offroad look in grau und vogelscheißeweiß auch ganz gut steht.

und dann gibts ja so böse termine, an die muss man sich einfach halten - allein schon aus gruppenzwang. bei solchen terminen tragen nämlich andere die verantwortung dafür, dass sie reibungslos ablaufen. man kann sie nicht einfach vor sich herschieben, vorziehen oder ausfallen lassen. das gebieten anstand, sitte und anwesenheitspflicht. omas geburtstag etwa, weil man der schlecht erzählen kann, dass sie mit ihrem 85sten mal schön bis nach der wm warten soll. oder die silvesterparty so kurz nach weihnachten, weil dafür hätte man papst gregor dem dreizehnten schon 1582 auf die schnauze hauen müssen. oder eine exkursion, weil man auch diesen termin mühsam wochen vorher im kalender freigeschaufelt hat. aber moment. gehören exkursionen wirklich dazu?

es gibt nämlich leider immer mehr idioten, die entweder den unterschied dieser zwei arten von terminen nicht kennen, oder ihn nicht kennen wollen. so kommt es in letzter zeit viel zu häufig vor, dass der vor arbeit keuchende einzelstudent idiot mit den fadenscheinigsten begründungen beim professor vorstellig wird, doch bitte die exkursion mal eben dem eigenen kalender anzupassen. wär ja nicht so schlimm, fände er mit seinen ausreden dann nicht auch noch gehör beim ohnehin gelangweilten lehrbeauftragten. der rest des semesters erfährt dann etwa eine woche vor dem eigentlich geplanten termin, dass es nun doch schon übermorgen los geht - oder schlimmstenfalls vorgestern. kann man dann aus irgendwelchen ach so unwichtigen persönlichen gründen (oder aus prinzip) nicht teilnehmen, kriegt man um die ohren gehauen, dass man gefälligst flexibel sein soll in der heutigen zeit. stichwort soft skills. außerdem könne man das modul ja auch noch wiederholen. für fünfhundert euronen studiengebühr selbstverständlich.

na zum glück gings nicht vorgestern los, sondern erst gestern - und ich hatte zwanzig minuten vor abfahrt dann doch noch davon erfahren. aber nach dem stress und der aufregerei musste heute erstmal im kalender vermerkt werden: "oberste priorität, morgen sofort erledigen: backenzahn ziehen lassen und mit der narkose ab in die waschstraße. danach sprit fürs wochenende besorgen!!"

übermorgen ruf ich meine oma wegen der wm an. und wo ich schon dabei bin, wird auch silvester mitten in den januar gelegt - egal, wem ich dafür auf die schnauze hauen muss. obwohl... termine werden sowieso überbewertet.

Dienstag, 1. Juni 2010

der tag der arbeit

da ist er also - der erste richtige eintrag im neuen blog. fantastisch. doof nur, dass ich die alten einträge nicht wiederfinde. anscheinend habe ich mir in irgend nem rausch mal richtig mühe gegeben, keine spuren zu hinterlassen. wenn doch nur jeder rausch so produktiv wäre...

ist aber auch nicht schlimm. so habe ich eben heute meinen ganz persönlichen "tag der arbeit". eigentlich gehört es sich ja so, dass der ostfriese sich am abend des dreißigsten april - vor sonnenuntergang - in gemeinschaft einen in den kopp tut und nen baum aufstellt. denn fuseln in der gruppe braucht traditionsgemäß nur einen guten grund eine gute ausrede. so sitzt man denn des nachts am baum und hangelt sich durch geschichten, hopfencracker und hochprozentiges. wenn dann alle irgendwann bei laune sind und sich aufmachen, der gruppe um die exfreundin mal gehörig den monat zu vermiesen, ist auch die nächste keilerei mit der örtlichen dorfjugend nicht mehr weit. da wird dann fröhlich und mitunter handgreiflich ausdiskutiert, wer denn jetzt wie oft mitm spaten und überhaupt.

viel zu oft kommt man ohne trophäe nach haus, muss aber feststellen, dass der eigene baum mittlerweile einen garten weiter gewandert ist. auch hier wird oft großes palaver betrieben. sinnlos - denn zurechnungsfähig sind die nachbarn genau so wenig wie man selbst, so kurz vor sonnenaufgang. den abschluss dieser durchzechten nacht bildet mal wieder das geschlossene rühreivertilgen morgens um elf. am nächsten tag hat dann das ganze dorf fein nen schädel - und einen monat zeit, den geklauten baum wieder auszulösen. dieser monat ist jetzt um. tjoar - schade drum.

eigentlich gehört es sich so. leider kann aber nicht jeder ostfriese zu diesem spektakel in seiner heimat sein und muss sich dann selbst einen reintun. selbstverständlich auch von sonnenuntergang ab an. natürlich nicht zum selbstzweck sondern aus verbundenheit, denn fuseln alleine braucht traditionsgemäß nur eine gute ausrede einen guten grund. auch hier tun gerstensaft und schnappes gute dienste, um mit erreichtem pegel die ganze welt nicht nur umarmen, sondern gleich erlösen zu wollen. der schädel am nächsten morgen wird natürlich irgendwann eingeplant, selbstreflektiert wie man ist, so kurz vor sonnenaufgang.

dann um elf beim rühreimachen klingelt unvermittelt das telefon und die freundin versucht einem zu verklickern, dass sie jetzt wie oft schon und überhaupt. viel zu oft kommt man danach ohne freundin nach hause und muss feststellen, dass die wahrscheinlich einen gärtner weiter gewandert ist. auch hier wird oft großes palaver betrieben. sinnlos - denn zurechnungsfähig war man sowieso nicht bei dem telefonat. aber auch dann hat man einen monat zeit. dieser monat ist jetzt um. tjoar - schade drum.

kann ich mich immerhin nächstes jahr aufmachen, der gruppe um die exfreundin gehörig den mai zu versauen. obwohl... der tag der arbeit wird sowieso überbewertet.