Mittwoch, 29. September 2010

feine kosten aus bad reichenhall

bad reichenhall muss ein merkwürdiges plätzchen sein. im grunde weiß niemand, wo dieser flecken liegt - und doch weiß jeder, dass es ihn gibt. eben weil niemand umhin kommt, sich ne ansichtskarte von dem nest ins küchenregal zu stellen.

es gibt ja viele verschiedene sorten. zum beispiel von käse, rotwein, schokolade oder wasser. alles gibt es in den unterschiedlichsten varianten, aus den entferntesten ecken der welt und zu den verrücktesten preisen. aus gutem grund auch, wenn so ein käse mit antilopenarschmilben aus namibia verfeinert, ein rotwein im tiefsten kellerverlies kalabriens besonders dunkel gelagert, die schokolade zweieinhalb jahre conchiert, und das französische eau de canalisation fünf mal umetikettiert werden muss. erst wenn es wirklich fein kostet, darf es sich wirklich feinkost nennen.

otto normalverbraucher kann sich diese schweineteure scheiße nicht leisten - weil er dazu gezwungen wird, seine kohle schon bei den einfachsten dingen mit dem schaufelbagger aus dem fenster zu schmeißen:
der ganze veredelungswahnsinn fängt schon beim speisesalz an. da gibt es salz. und extra nochma kochsalz. und jodsalz. und salz mit flourid. und kochsalz mit jod und flourid. und salz mit natriumnitrit und folsäure. und natürlich jede nur erdenkliche mischung aus den vorgenannten.

so viele varianten es in der zusammensetzung gibt, so unterschiedlich sind auch die preise. das geht los mit zwanzig cent das kilo, steigert sich auf knappe zwei euronen pro pfund und endet mit nem fünf euro schein für hundert gramm rieselvergnügen. wäre ja auch kein problem, wenn denn das salz aus salinen in der antarktis oder wenigstens aus australien per einbaum hier angeschippert käme. schaut man sich aber die packungen mal genauer an, stammt der ganze hygroskopierende klimbims in deutschen supermarktregalen aus? na? richtig! bad reichenhall. bei der masse an extrastoffen im salz müssen in dem kaff nebst der saline übrigens noch hunderte chemiefabriken ihr lager aufgeschlagen haben.

und es gibt ja nicht nur ein regal mit salz - manche geschäfte gehen sogar schon dazu über, ganze salzabteilungen einzurichten. bei meinem einkauf gerade eben stand ich mit vier leuten hilflos und schwitzend vor einer wand aus bad reichenhaller ansichtskarten mit natriumchloridfüllung - durch die masse an preisschildern, sorten und motiven völlig verwirrt und panisch das einfachste, günstigste salz suchend. nach zehn minuten wurds mir dann zu blöd und ich hab einfach zugegriffen.

die aktion hat mir natürlich keine ruhe gelassen - so hab ich gerade nochmal auf den kassenzettel geschaut. was soll ich sagen... die nächsten wochen gibts hier an stelle von champagner nur noch abgegossenes nudelwasser, auch wenn champagner umgerechnet günstiger wäre. obwohl... feinkost wird sowieso überbewertet.

Mittwoch, 8. September 2010

warme milch mit honig

da hat man sich mal wieder mit nougatriegel, götterspeise und eiersalat die wampe vollgeballert und liegt beinahe ohnmächtig im ohrensessel. um der exkorporation ein schnippchen zu schlagen, erinnert sich das hirn wie automatisch an ein uraltes geheimrezept zur beruhigung der retrograden peristaltik. weitergegeben von generation zu generation: die warme milch mit honig. jeder schluck, als ob dir ein engel auf die zunge pinkelt. das zeug beruhigt sogar schon olfaktorisch. und wie gut man danach einschläft! warme milch mit honig - ein natürlicher beruhigungstrank von rind und imme.

im wahn also ab in die küche - zutaten und utensilien zusammenstellen. wenn man die ganze scheiße dann da vor sich aufm tisch sieht, wird einem ja schon wieder schlecht: milch, honig, löffel und tasse. bevor man da mal was zusammengebraut hat, ist ja die halbe nacht um.

erstmal gibts da gefühlt jede woche ein neues öffnungssystem für getränkekartons - und für jedes muss man mindestens je zwei semester physik, industriemechanik und sozialanthropologie studiert haben. oberfrechheit: seit neuestem wird sogar die perforation am rand weggelassen. die war vorher der notanker für an dreh- und klappverschlüssen mit silberpapierstreifensicherung verzweifelte milch- und safttrinker wie mich: hatte man das prinzipium perforatum nach jahrelangem selbstversuch nämlich mal verstanden, ging nurmehr ein viertel des inhalts beim öffnen der verpackung auf den teppich. beim trinken oder eingießen zwar genauso viel, aber wenigstens war die kartonage offen.

dann folgt die schmiererei mit dem honig. die mittlerweile fünf leichtgläubig gekauften flaschen mit dem aufdruck "tipp: auf den kopf stellen für bessere entnahme" kriegt man ja bis zur nächsten kernsanierung sowieso nicht mehr aus dem verklebten küchenschrank, also schön ne vollgeotterte plastikfolie von nem neuen glas ziehen und dabei die finger verseuchen. es muss auch immer ein neues glas honig sein, weil der einmal geöffnete schmand schon nach zwei tagen beginnt, eine betonartige konsistenz anzunehmen. um an diese reste zu kommen haben ganz gewitzte mittlerweile ja ne schlagbohrmaschine neben dem mixer stehen oder halten ihr leben lang ein warmwasserbad auf dem herd bereit...

danach gehts ans löffeln. geil wie man ist, auf milch mit honig, vertut man sich regelmäßig mit der reihenfolge: erst die milch erwärmen, dann den honig dazu! so wärs richtig. stattdessen: milch inne tasse, honig drauf und bei 1500 watt ab inne mikrowelle. das geht zehn sekunden gut - dann fängt es an zu blitzen und funken im hochfrequenzgerät. panik. tür auf, flossen verbrennen und tisch mit honiglöffel zuspachteln.

die nächsten zwei wochen verbingt man dann damit, sich durch halbleere betonbehältnisse zu wühlen und die küche von milch mit honig zu befreien, weil man die fünfzehnhundert watt miele-power aufm klo sitzend fahrlässig unterschätzt hat.

ich also den kram lieber wieder zurück gestellt und mir dafür ne flasche zwei wochen offenes mineralwasser gegriffen. engelspisse hätte besser geschmeckt. obwohl... milch mit honig wird sowieso überbewertet.