Mittwoch, 8. September 2010

warme milch mit honig

da hat man sich mal wieder mit nougatriegel, götterspeise und eiersalat die wampe vollgeballert und liegt beinahe ohnmächtig im ohrensessel. um der exkorporation ein schnippchen zu schlagen, erinnert sich das hirn wie automatisch an ein uraltes geheimrezept zur beruhigung der retrograden peristaltik. weitergegeben von generation zu generation: die warme milch mit honig. jeder schluck, als ob dir ein engel auf die zunge pinkelt. das zeug beruhigt sogar schon olfaktorisch. und wie gut man danach einschläft! warme milch mit honig - ein natürlicher beruhigungstrank von rind und imme.

im wahn also ab in die küche - zutaten und utensilien zusammenstellen. wenn man die ganze scheiße dann da vor sich aufm tisch sieht, wird einem ja schon wieder schlecht: milch, honig, löffel und tasse. bevor man da mal was zusammengebraut hat, ist ja die halbe nacht um.

erstmal gibts da gefühlt jede woche ein neues öffnungssystem für getränkekartons - und für jedes muss man mindestens je zwei semester physik, industriemechanik und sozialanthropologie studiert haben. oberfrechheit: seit neuestem wird sogar die perforation am rand weggelassen. die war vorher der notanker für an dreh- und klappverschlüssen mit silberpapierstreifensicherung verzweifelte milch- und safttrinker wie mich: hatte man das prinzipium perforatum nach jahrelangem selbstversuch nämlich mal verstanden, ging nurmehr ein viertel des inhalts beim öffnen der verpackung auf den teppich. beim trinken oder eingießen zwar genauso viel, aber wenigstens war die kartonage offen.

dann folgt die schmiererei mit dem honig. die mittlerweile fünf leichtgläubig gekauften flaschen mit dem aufdruck "tipp: auf den kopf stellen für bessere entnahme" kriegt man ja bis zur nächsten kernsanierung sowieso nicht mehr aus dem verklebten küchenschrank, also schön ne vollgeotterte plastikfolie von nem neuen glas ziehen und dabei die finger verseuchen. es muss auch immer ein neues glas honig sein, weil der einmal geöffnete schmand schon nach zwei tagen beginnt, eine betonartige konsistenz anzunehmen. um an diese reste zu kommen haben ganz gewitzte mittlerweile ja ne schlagbohrmaschine neben dem mixer stehen oder halten ihr leben lang ein warmwasserbad auf dem herd bereit...

danach gehts ans löffeln. geil wie man ist, auf milch mit honig, vertut man sich regelmäßig mit der reihenfolge: erst die milch erwärmen, dann den honig dazu! so wärs richtig. stattdessen: milch inne tasse, honig drauf und bei 1500 watt ab inne mikrowelle. das geht zehn sekunden gut - dann fängt es an zu blitzen und funken im hochfrequenzgerät. panik. tür auf, flossen verbrennen und tisch mit honiglöffel zuspachteln.

die nächsten zwei wochen verbingt man dann damit, sich durch halbleere betonbehältnisse zu wühlen und die küche von milch mit honig zu befreien, weil man die fünfzehnhundert watt miele-power aufm klo sitzend fahrlässig unterschätzt hat.

ich also den kram lieber wieder zurück gestellt und mir dafür ne flasche zwei wochen offenes mineralwasser gegriffen. engelspisse hätte besser geschmeckt. obwohl... milch mit honig wird sowieso überbewertet.