Mittwoch, 20. Oktober 2010

ökologischer imperativ

seit ewigkeiten - mindestens seit menschengedenken - liegt die erde ja auf der schlachtbank. alles wird mit abc zugepflastert, umgeworfen oder auf generationen verseucht. asphalt, beton und cotoneaster soweit die trüben augen blicken. die letzten stücke "natur" gibt es genau betrachtet gar nicht, weil jeder noch so kleine winkel schon vom ach so einsichtsfähigen, weisen kulturmenschen belatscht wurde. die antarktis und andere zur unmittelbaren zerstörung unbrauchbare fleckchen mal ausgenommen, haben wir es tatsächlich geschafft, in weniger als vierzig jahren eine halbreligiöse und doppelt dogmatische weltanschauung zu rezipieren: die ökologie als manna der opportunisten dieser welt. den ökologismus.

alles soll nachhaltig, regenerativ und sozial vertretbar sein. dabei wälzt sich diese von halbgaren blödmannsgehilfen als wertvoll empfundene ideologie idiotie runter bis auf den kleinen mann, der nur einen kaffee in der mensa trinken möchte: seit diesem semester kostet ein kaffee nämlich nicht mehr funfundsiebzig, sondern satte neunzig cent die tasse. auf meine nachfrage hin, ob der kaffee teurer geworden sei, meinte die kassöse nur "nein - ökologischer."

nehmen wir mal an, dass aus einem kilo kaffee etwa 120 tassen rausgeölt werden können - dann macht das 108 euronen, die für dieses kilogramm in die mensakasse wandern. nimmt man dann mal an, dass dieser höchstwahrscheinlich auch noch "fair getradete" ökokaffee pro kilo vierzig tacken kostet (teureren habe ich gerade nicht gefunden und bei meiner rechnung hier könnt ihr auch noch beliebig nach oben oder unten korrigieren) - also wenn das kilo muckefuck 40 tacken kostet, bleiben immernoch 68 studentische euronen pro kilogramm in der mensakasse als reingewinn. da könnte man nun noch betriebs-, lager- und beschaffungskosten abziehen, die kostenlose kondensmilchplörre und den zucker - was aber wohl eher weniger ins gewicht fällt. denn selbst wenn am ende nur 20 euronen gewinn für die mensa abfallen, sollte man meinen, dass diese kohle den studenten zugute kommt, indem man den preis pro tasse senkt. zum beispiel auf die ehemals (und auch schon damals überteuerten) funfundsiebzig cent. anscheinend ist der kaffee aber nicht nur ökologischer sondern auch ökonomischer geworden.

oder nehmen wir mal paprika. wenn ich mir meine stinknormale umweltnazipaprika kaufe, hat die von spanien bis hier her vielleicht 2.500 kilometer aufm tacho. die ökologisch sinnvollere variante ist natürlich die biopaprika aus israel. diese drei aufgeblasenen kirschtomaten in rot, gelb und grün sollen dem verbraucher suggerieren, dass er damit den ökologischen landbau unterstützt. nicht nur, dass die teile damit aus einer außerordentlich wasserarmen region kommen (was weitreichende folgen für die politik und den naturhaushalt im nahen osten hat) - nein unsere feine biopaprika muss auch noch knappe 6.000 kilometer zurücklegen, bis sie hier im laden weitergammeln darf. die kohlenstoffdioxidbilanz möchte ich sehen...

so lange der ganze müll teuer genug ist, tut man der natur seinem gewissen etwas gutes. da ich aber sonst nichts wiedersehe von meinen knapp tausend mark studiengebühren studierendenbeitrag pro semester, habe ich jetzt unter "vorschläge zur verwendung der studierendenbeiträge" beantragt, dass meine kohle ausschließlich für kaffee ohne gewinn in der mensa verwendet wird. sollte wider erwarten dennoch was dabei übrig bleiben, so kredenze man davon biopaprikasalat für alle - und für lau! obwohl... ökologismus wird sowieso überbewertet.