Montag, 22. November 2010

von der wahren trennung

die meisten lebewesen auf dem weiten erdenrund können sich ja nur vermehren, wenn sie zusammen sind. glücklicherweise gilt dies auch für den im volksmund als "höchstes aller lebewesen" titulierten schweinepriester mensch. mal angenommen, die gesetze der natur funktionieren noch, sollte also durch das auseinandergehen nur weniger geistesgestörter paare der parentalgeneration die rate derer in den keller sinken, die in der filialgeneration selbst für den job als blödmannsgehilfe zu unterbelichtet sind (mama doof, papa doof - baby balla balla).

mitnichten! der bereits degenerierte teil der menschheit ist sich nämlich dieses zusammenhangs bewusst geworden und wirkt dem schutz der allgemeinheit durch die dafür notwendige trennung von bekloppt und bekloppt entschieden und mit aller macht entgegen - und bleibt auf gedeih und verderb zusammen.

der noch nicht in die geschlossene abteilung einweisbare teil nutzt insbesondere fratzenbuch und idiotenverzeichnis zur unterwanderung der naturgesetze - und springt damit vom thron aufs schafott. der blöde will sich nicht trennen - er findet ja nichts besseres; der weniger blöde kann sich nicht trennen - wird er doch dank web 2.0 immer wieder gefunden.

die durch das ununterbrochene zusammensein allgemein zu beobachtende anhäufung von geheucheltem freundschaftsmüll muss natürlich auf dauer irgendwann mal kompensiert werden. um sich selbst kein bein abzuhacken, richtet der "zusammene mensch" diesen ausgleich immer, aber auch wirklich immer auf denjenigen, mit dem er üblicherweise nicht zusammen ist, respektive kontakt pflegt. so wird einfach alles getrennt, was ihm vor die flinte kommt: müll, wäsche, parkplätze, kirche, staat und so weiter, und so fort.

diese weitestgehend unerforschte volkskrankheit gipfelt allerdings im supermarkt. was fällt den minderbemittelten eigentlich ein, zwischen meine wurst und meinen käse jedes mal diese affige personifikation ihrer trennungsmanie, diesen warentrennstab zu schmeißen? nicht nur, dass ich die von mir gewählten produkte ohnehin in ausreichendem abstand zum vordermann aufs förderband lege - nein, auch der kassiervorgang an sich verzögert sich durch diesen schwachsinn, weil die schiene in der diese mistdinger gelagert werden so eng und rau ist, dass selbst der preisboxer vom jahrmarkt diesen duplostein mit werbeaufdruck nicht bis ans ende schießen könnte. außerdem hat der arme supermarktbedienstete zusätzlich das problem, dass sich diese impertinenz der trennungskultur in der quengelware verhakt und er alle zehn minuten underberg, kaugummis und kondome neu sortieren darf.

ich bin absoluter befürworter der konfrontationstherapie in allen lebenslagen und sammle deshalb ab jetzt von allen unbesetzten kassen die warentrennstäbe ein, bevor ich mich anstelle. einfach, um den leuten mal nach gutdünken ihren einkauf aufm förderband zu zerhacken. nächste woche folgt der angriff auf das social networking - und spätestens zu weihnachten lass ich mich einliefern. dann bin auch ich endlich zusammen. obwohl... trennung wird sowieso überbewertet.

Montag, 15. November 2010

themenabende II

gestern seit langer zeit mal wieder essen gewesen - und zwar nicht in so ner italienischen kaschemme mit wagenrädern an den terracottafarbenen wänden. und ohne leere chiantiflaschen, die zu kerzenständern umfunktioniert wurden... sogar, ohne anschließend irgendeinen zerhacker oder anderen firlefanz runterwürgen zu müssen, nur weils aufs haus geht und der chef einem sonst mit beleidigtem blick ein ausgesprochen unausgesprochenes hausverbot erteilt. außerdem ohne die üblicherweise grottenmäßig gespielte "kellner-gute-laune" und ohne sich extra fein anzuziehen, wie es alle anderen tun, um sich dann großkotzig über die schlechter gekleideten das vollgestopfte maul zu zerreißen und die ach so netten kellner in den himmel zu loben. ...und ganz besonders bin ich essen gegangen ohne vorurteile.

im gewählten etablissement werden die speisekarten nicht von unterbezahlten lohnsklaven unverschämt spät zum tisch geschleppt, man schneidet sich nicht an lederimitierendem plastikeinband die flossen auf und muss sich auch nicht durch zehn fettbeschmierte klarsichthüllen wühlen. nein - die karten, farbig, aber nicht zu bunt, gedruckt auf einem stück a3 papier, liegen hier ganz schnörkellos als platzdeckchen aufm tisch. zu den gerichten: neben ner menge leckerem schnickschnack aus der allzweckwaffe kartoffel gibts natürlich den obligatorischen komposthaufen als beilage - aber zum glück auch fleisch von erlegtem warmbluter. so weit, so unspektakulär.

ganz, ganz unten auf der karte hat sich jedoch eine mahlzeit versteckt, deren außerachtlassung mindestens frevel, wenn nicht gar ungericht gleichkäme:

angebot: dem bud spencer seine bohnenpfanne

also flux zu totem tier an gemüselappen die bud spencer bohnenpfanne bestellt. im grunde n ganz normales chili - chön charf. der clou an der geschichte ist aber dieser olle holzknüppel, mit dem man früher von muttern immer was hinter die löffel bekommen hat, wenn man sich und den rest des raumes beim essen eingesaut hatte, als gäbe es kein morgen. mit dem teil muss man einfach ne schweinerei hinterlassen - auf tisch, hose und in der fassade. aber - und das war als balg ja auch schon immer so - es schmeckt sich einfach um längen besser, wenn man den arbeitsplatz so hinterlassen kann, als wäre gerade der krieg ausgebrochen oder deutschland weltmeister im curling.

bud spencer's bohnenpfanne im einsatz

bei dieser gelegenheit wurde dann auch der titel für den nächsten themenabend festgelegt: "die lange nacht der italo-western mit bud spencer". dazu natürlich die bohnenpfanne, stilecht nur mit dem holzlöffel aus ner eisenpfanne zu schroten. eigentlich könnte man bis hier her auch sagen: wir gucken bleihaltige kloppereifilme, vertilgen dazu passenden fraß und können am nächsten morgen ne abrissbirne bestellen. nu hab ich aber gestern gesehen, dass hier um die ecke noch n alter handkarren steht. von dem könnte ich des nachts schön die räder abmontieren ausleihen und über den fernseher nageln. dazu aus dem vor jahren ausrangierten tuschkasten noch n bisschen okkergelb und kaminrot verquirlen und auf die tapete schmieren - schon hat man seine eigene kleine italienische kantine. morgen früh werd ich erstma die abgestellten kartons vorm altglascontainer nach chianti durchsuchen. obwohl... mottopartys werden sowieso überbewertet.

Mittwoch, 10. November 2010

telekommunikationswahnsinn

früher hieß es "hallo - hier spricht blablabla, wie geht es dir?" oder "wir haben uns ja lange nicht mehr gesprochen. erzähl doch mal - was machst du so?" - immerhin worte wirklichen interesses. heute dagegen besteht die erste frage viel zu häufig aus den lächerlich herausgekotzten drei worten:
"wo bist du?"
es soll hier nicht der eindruck entstehen, ich würde solche mobiltelefonate nicht mögen - denn vielmehr hasse ich sie!

es ist doch völlig wumpe, wo man sich befindet - man ist ja allem anschein nach nicht dort, wo der gesprächspartner herumlungert. und wäre man an jenem ort, hätte sich das telefonat auch schon erübrigt. trotzdem ruft der im grunde zutiefst bemitleidenswerte telekommunikationsjunkie in den meisten fällen sogar zurück:
"auf dem weg. bis gleich."
totaler schwachsinn - natürlich ist man auf dem weg...
"beeil dich ma!"
"ok. ich sag dem schaffner gleich bescheid, dass wir die nächsten beiden bahnhöfe auslassen."
nun sollte man meinen, dass durch diese subversive argumentationsweise dem telekommunikativen gegenüber zu verstehen gegeben wurde, dass jetzt gut is mit dem gefragescheiß. aber nix da. 5 minuten später vibrierts inner tasche. sms.
"hast du das geschenk dabei?"
"ja"
"ok. ich dachte schon, du hättest es vergessen. das wär peinlich geworden, oder?"
womit wir beim nächsten punkt der hässlichkeit mobiler telekommunikation angelangt wären - der gehäuchelten freundlichkeitsspirale in den gesellschaftlichen gesprächstod - dem krankhaften verfassen von gegenfragen in kurznachrichten. ja reicht es denn nicht, sich die frage einfach beantworten zu lassen? ständig wird man genötigt, sich zu irgendeinem quatsch mit "ja" oder "nein" auszulassen. wie schön war doch die zeit der analogen telefonlotterie. man sah die nummer des anrufenden nicht und haderte mit sich selbst - finanzamt, oder freundin? nicht abnehmen, oder das blöde gequatsche antun?

schön. mittlerweile kann man sich ja wirklich aussuchen, ob abgenommen wird oder nicht. nur blöd dabei, dass schon beim ersten mal der terror beginnt. fünf minuten auf lautlos gestellt, 5 entgangene anrufe, 20 ungelesene sms. so oft könne man ja gar nicht aufm pott sitzen - und ob was passiert wäre. ob denn alles in ordnung ist und was man sich eigentlich einbilden würde! beim anrufen und akku-leer-klingeln-lassen verstreicht anscheinend zu viel zeit - da tippt es sich für den geübten stalkerdaumen um längen schneller. mittlerweile schafft die handyhand ja mehr anschläge pro minute als die usa zu ihren besten zeiten. das sind keine kurznachrichten mehr, das sind ganze pamphlete, die da anschließend umständlich gelöscht werden müssen!

und dann noch das elendige instantmessagegechatte im internet die ganze zeit. wenn jemand was möchte soll er es doch einfach schreiben. ich möchte gar nicht wissen, wie viele an mich gerichtete "hi!" und "na du?!" mittlerweile unbeantwortet im netz versauern. dafür ist diese kacke doch gemacht: um zu schreiben, was man will, auch wenn der andere gerade nicht erreichbar ist. er ist es ja eben wohl. stichwort telekommunikationskompetenz - anscheinend völlig überschätzt.

seit jahren befinde ich mich nun im selbstversuch und langsam stellen sich erste ergebnisse ein. durchschnittlich muss man nur etwa drei monate lang täglich mehrmals mit fragen nach dem derzeitigen aufenthaltsort drangsaliert werden, bis man zusammenbricht und zum analogen telefonanschluss zurückkehren will. aber dann wird der spieß umgedreht, kollegen. keine nummer mehr, die mich verrät und keine kurznachrichten. nur noch mit modemgepiepe ins gemachte netz. dann wird zurückgerufen! obwohl... telekommunikation wird sowieso überbewertet.

Dienstag, 2. November 2010

mehrfachsteckdosen

kennt jeder: mehrere geräte anschließen wollen, wo nur eine steckdose vorhanden ist. fernseher, dvd-player, spielekonsole, verstärker, cd-player und subwoofer. oder tower, monitor, boxen, schreibtischlampe und drucker. leider ist es ja im allgemeinen um die verfügbarkeit von wandsteckdosen nicht so gut bestellt. und bei all den saftsaugenden gerätschaften heutzutage müsste man sich ne komplette bordüre aus schutz-kontakt-dosen an die rauhfaser nageln. dann würde man aber nicht mehr verzweifeln ob der stromversorgungsinsuffizienz - und außerdem hat sich der globale geheimbund der ingenieure zum ziel gesetzt, die welt endgültig in den wahnsinn zu treiben, weshalb kurzerhand die mehrfachsteckdose auf den markt geschmissen wurde.

voller glückseligkeit kann aber nur derjenige darauf zurückgreifen, der nur mal eben ne verlängerung für den fön oder das bügeleisen benötigt. zu früh gefreut haben sich all diejenigen, die tatsächlich alle steckplätze verwenden wollen. der bunte mix aus euro-, und schukosteckern macht dem vorhaben nämlich mal ganz schnell den garaus. nie wollen die drei, fünf, sieben oder zehn stecker komplett in das äquivalent angebotener steckplätze passen. da ist auch die reihenfolge vollkommen egal - es passt einfach nicht. entweder bleiben mehrere steckplätze übrig, in denen sich dann wollmäuse eine neue bleibe suchen, oder es ist mindestens ein verdammter stecker dabei, dessen kabel nicht oben rauskommt, sondern fein rechtwinklig zum stecker abgeht. damit wird dann der zugang zu mindestens einem weiteren platz versperrt - oder im schlimmsten fall der knopp zum ein- und ausschalten der leiste so blöde berührt, dass man sich ab jetzt der ordnungsgemäßen funktion nicht mehr sicher sein kann. das ist dann übrigens dieses "hör mal - hier knistert doch irgendwas!"

ganz schlaue leute kaufen sich mehrfachsteckdosen mit schräggestellten steckplätzen - aber auch hier gilt das selbe prinzip: ein klobiger trafo oder ein unnötig großes ladegerät eingesteckt und nix is mehr mit dem guten strom für alle anvisierten verbraucher.

in meinen räumlichkeiten hier habe ich satte zwei wandsteckdosen. eine davon ist mal gar nicht zu gebrauchen, sitzt die doch mittig in der wand und nicht mal ansatzweise richtung zimmerecke gelegen. die andere sitzt wenigstens in einer ecke, aber an derselben wand. das bedeuetet: um an der gegenüber liegenden wand an strom zu kommen, gehen schonmal zwei dreifachdosen drauf. dann folgt eine 6er-leiste mit knopp und sicherung für den pc kram, und schließlich daran noch ne dreifachdose für das 10 cm zu kurze boxenkabel und den beschissenen achtecktrafo vonner schreibtischlampe.

für insgesamt sieben verbraucher, die ihren strom aus einer einzigen wandsteckdose beziehen, habe ich hier 20 meter kabel, aufgeteilt auf vier mehrfachdosen mit insgesamt fünfzehn steckplätzen liegen, von denen aber nur zehn in gebrauch sind. alle zwei wochen hole ich 1,5 kilo wollmäuse aus den unbenutzten mistdingern raus - und jedes mal aufs neue gerate ich im baumarkt in versuchung, mit noch fünf weiteren mehrfachsteckdosen diese blöden löcher zu stopfen. obwohl... stromversorgung wird sowieso überbewertet.