Montag, 15. November 2010

themenabende II

gestern seit langer zeit mal wieder essen gewesen - und zwar nicht in so ner italienischen kaschemme mit wagenrädern an den terracottafarbenen wänden. und ohne leere chiantiflaschen, die zu kerzenständern umfunktioniert wurden... sogar, ohne anschließend irgendeinen zerhacker oder anderen firlefanz runterwürgen zu müssen, nur weils aufs haus geht und der chef einem sonst mit beleidigtem blick ein ausgesprochen unausgesprochenes hausverbot erteilt. außerdem ohne die üblicherweise grottenmäßig gespielte "kellner-gute-laune" und ohne sich extra fein anzuziehen, wie es alle anderen tun, um sich dann großkotzig über die schlechter gekleideten das vollgestopfte maul zu zerreißen und die ach so netten kellner in den himmel zu loben. ...und ganz besonders bin ich essen gegangen ohne vorurteile.

im gewählten etablissement werden die speisekarten nicht von unterbezahlten lohnsklaven unverschämt spät zum tisch geschleppt, man schneidet sich nicht an lederimitierendem plastikeinband die flossen auf und muss sich auch nicht durch zehn fettbeschmierte klarsichthüllen wühlen. nein - die karten, farbig, aber nicht zu bunt, gedruckt auf einem stück a3 papier, liegen hier ganz schnörkellos als platzdeckchen aufm tisch. zu den gerichten: neben ner menge leckerem schnickschnack aus der allzweckwaffe kartoffel gibts natürlich den obligatorischen komposthaufen als beilage - aber zum glück auch fleisch von erlegtem warmbluter. so weit, so unspektakulär.

ganz, ganz unten auf der karte hat sich jedoch eine mahlzeit versteckt, deren außerachtlassung mindestens frevel, wenn nicht gar ungericht gleichkäme:

angebot: dem bud spencer seine bohnenpfanne

also flux zu totem tier an gemüselappen die bud spencer bohnenpfanne bestellt. im grunde n ganz normales chili - chön charf. der clou an der geschichte ist aber dieser olle holzknüppel, mit dem man früher von muttern immer was hinter die löffel bekommen hat, wenn man sich und den rest des raumes beim essen eingesaut hatte, als gäbe es kein morgen. mit dem teil muss man einfach ne schweinerei hinterlassen - auf tisch, hose und in der fassade. aber - und das war als balg ja auch schon immer so - es schmeckt sich einfach um längen besser, wenn man den arbeitsplatz so hinterlassen kann, als wäre gerade der krieg ausgebrochen oder deutschland weltmeister im curling.

bud spencer's bohnenpfanne im einsatz

bei dieser gelegenheit wurde dann auch der titel für den nächsten themenabend festgelegt: "die lange nacht der italo-western mit bud spencer". dazu natürlich die bohnenpfanne, stilecht nur mit dem holzlöffel aus ner eisenpfanne zu schroten. eigentlich könnte man bis hier her auch sagen: wir gucken bleihaltige kloppereifilme, vertilgen dazu passenden fraß und können am nächsten morgen ne abrissbirne bestellen. nu hab ich aber gestern gesehen, dass hier um die ecke noch n alter handkarren steht. von dem könnte ich des nachts schön die räder abmontieren ausleihen und über den fernseher nageln. dazu aus dem vor jahren ausrangierten tuschkasten noch n bisschen okkergelb und kaminrot verquirlen und auf die tapete schmieren - schon hat man seine eigene kleine italienische kantine. morgen früh werd ich erstma die abgestellten kartons vorm altglascontainer nach chianti durchsuchen. obwohl... mottopartys werden sowieso überbewertet.