Freitag, 15. April 2011

die sache mit dem haken an den ösen

schonmal aufgefallen? fast jede sache hat nen haken. überall bleibt man hängen, reißt was auf oder ein, schneidet sich die flossen blutig und wird bald verrückt. teppichleisten etwa, wo sich über die jahre so fiese kleine messingfitzel aufstellen mit denen man sich die socken zerschreddert. oder uralte flaschenverschlüsse aus metall - meistens auf den billigwasserpullen zu finden - aus denen klappen immer diese nippel zu weit raus und statt ner erfrischung gibts erstmal ne neue tetanus beim scharlatan der wahl.

dann diese bekloppten größenschilder an klamotten, die ohnehin nie stimmen weil ja immer alles "anders ausfällt", und die beim anziehen noch überhaupt nicht stören. erst außer reichweite der eigenen vier wände oder einem anderen brauchbaren sammelsurium von wäsche geben sie ihren diabolischen auftrag zu erkennen. am nächsten tag sieht die pelle dann aus, als hätte man das nächste opfer vom schlitzer werden sollen, so schneiden die mistviecher einem ins fleisch.

apropos rasierklingen... "einmal benutzen und wegschmeißen, die scheißteile!" sollte auf der verpackung stehen - doch selbst mit elektrorasierern sieht die fresse hinterher aus wie schaschlik. weil es eben an fast jeder sache irgend einen haken gibt.

wo aber verdammt nochmal sind die haken, wenn man mal wirklich auf sie angewiesen ist? immer muss man seine jacke im restaurant über die irgendeines affen hängen, der dann irgendwann daran rumfingert. so sitzt man in restaurants zwangsläufig völlig unentspannt beim fressen. immer ein auge auf dem futter und eines auf der jacke. viel zu oft ist man selbst der affe und bekommt die bösen blicke serviert, die eigentlich dem arsch von innenarchitekt gelten sollten.

in diesem zusammenhang will ich hier auch mal festhalten, dass die anzahl der nutzbaren haken der anzahl an nutzbaren ösen in fast jedem fall diametral entgegen steht: sind an der garderobe endlich mal genügend plätze frei, hat man natürlich genau die jacke übergeworfen, deren öse bereits letzte woche das zeitliche gesegnet hat.

klettverschlüsse scheinen den sommer über im schrank auch ein eigenleben zu führen, denn wie selbstverständlich sind sie vor dem ersten winterlichen gebauch mit irgendwelchem flusenkram verstopft - höchstwahrscheinlich stammt der von den zerschredderten socken.

im bus ist generell keine halteschlaufe zur hand und man schaukelt hin und her, als käme man gerade aus der frühgaststätte. spiegel fallen mitten in der nacht von der wand. küchenutensilien werden zu hauf in überfüllte schubladen gestopft, kleiderbügel hat man immer zu wenig und bhs waren schon immer überflüssig.

ich für meinen teil häkel mir ab jetzt meine eigenen ösen und haken. fehlt nur noch der strick. obwohl... aufhängen wird sowieso überbewertet.

Freitag, 8. April 2011

nachbarschaft I

direkt vor unserer haustür steht ein zigarettenautomat. und was man nicht alles in zigarettenautomaten findet: im münzschacht 21 euronen von den besoffskis der letzten nacht zum beispiel, die stundenlang gegen den automaten treten, weil "der is sowieso kaputt". und deren ec-karte - falschrum eingesteckt natürlich. im besten fall jedoch dazu noch zwei schachteln der lieblingsmarke auf dem boden vorm automaten. so fängt ein tag doch schonmal vielversprechend an.

ich, als geneigter pfadfinder, erkenne an den zurückgelassenen spuren, dass es sich um einen ganz geselligen abend gehandelt haben muss:

da gären die essensreste in der brütenden mittagshitze - irgendeine pampe aus bier, chips, wodka und spaghetti bolognese. blickt man schräg am automaten vorbei gibt sich die ehemals peinlich genau geschnittene buchsbaumhecke des nachbarn zu erkennen. vormals quaderhaft majestätisch richtung sonne strebend liegt sie nun darnieder, zurückgeholt auf den boden der tatsachen. und diese erdung trägt einige meter weiter bereits früchte - hat sich doch ein schuh den weg in die krone des in voller blüte stehenden kirschbaumes gesucht. verzweifelt mit einer harke fuchtelnd grüßt mich da der nachbar:
"na - da hatten gestern wohl wieder ein paar studenten eine lange nacht..."
müde lächelnd grüße ich zurück und sinniere über den unglaublichen kater, den die idioten heute haben müssen. irgendwie geht die haustür nicht auf - deshalb wird kurzerhand das halbe haus wachgeklingelt. ein nachbar öffnet die tür:
"du - hier hat gerade jemand mein portemonnaie abgegeben, die ec-karte fehlt..."
ich hab ihm die karte dann am nächsten tag in den briefkasten geworfen, man ist ja kein unmensch. und klar geb ich ihm auch gerne mal ne zigarette ab, so als guter nachbar. bei der nächsten party muss ich unbedingt dabei sein. obwohl... nachbarschaft wird sowieso überbewertet.

Freitag, 1. April 2011

dyscounter [sic!]

gar nicht mal so weit von hier gibt es den für mittlerweile jede straße obligatorischen discounter. keine 300 meter weiter den nächsten - und direkt daneben steht noch so eine rote backsteinfrevelei mit wellblechdach. die dinger schießen ja wie pilze aus dem boden. da fragt sich der ohnehin verwirrte konsument zurecht, wie sich so ein weiterer klon von dumpingbunker ob der konkurrenz überhaupt finanziert. immerhin wurde durch die handelsketten in den letzten jahren jedwede innerstädtische baulücke geschlossen. offen bleibt jedoch die frage, ob die urbanität die ganzen bäckereien luftpumpenverkaufsaquarien verträgt. diese komischen glaskästen gehören ja augenscheinlich fest zur objektplanung supermarkt.

wie aber soll man jetzt mit diesem billigpreistsunami umgehen? die kohle auf viele verschiedene märkte verteilen und damit allen gleichzeitig den umsatz versauen, oder lieber die priorität auf einen bestimmten markt legen und damit die anderen in die pleite treiben? ...don quijote lässt grüßen. ich, als sancho panza, habe eine totsichere methode, billigbauten auf lange sicht den garaus zu machen und im laufe der zeit ein feines gespür für schabernack'sche momente entwickelt:

beim milcheinkauf zum beispiel. pärchen vorm kühlregal. sie wühlt seit 3 minuten die produkte durch, kann sich nicht recht entscheiden und stellt ihm irgendwelche bescheuerten fragen. er steht, eine hand am einkaufswagen, die andere am handy, total genervt daneben und ist kurz vorm platzen. ich drängle mich dazwischen, ohne dass sie es merkt - er quittiert mit zornigem blick.
sie: "schatz, möchtest du vielleicht die auberginenpaste?"
ich: "och nee, hase. heute nehm ich nur die milch."
seine reaktion habe ich leider nicht mitbekommen, weil ich mich schnellstens in die konservenabteilung verdrückt hab. hatte trotzdem das gefühl, dass der heini mich quer durch den ganzen laden verfolgt hat...

was auch immer gut kommt: leuten die wartezeit an der kasse mit möglichst lustigen sprüchen versüßen. dabei immer fein drauf geachtet, dass die sprüche in engem zusammengang mit der für alle sichtbaren ware auf dem fließband stehen: eine ältere dame vor mir hatte sich champignons gegönnt - ich hatte tiefkühlpizza auf der gummimatte. fiel mir doch sofort der gute alte osteuropäische witz ein, den ich gleich einem bekannten vier plätze hinter mir zugerufen habe:
"ey, michael - kennst du den unterschied zwischen ner tschechischen nutte und ner pizza? - nee? - na pizza kriegste auch ohne pilze".
der ganze laden peinlich berührt - nur michael und die kassiererin waren am brüllen. draußen hat man mir dann erklärt, dass auf ihrem namensschild olga hlinka stand. ...humor ist, wenn man trotzdem lacht!

mittlerweile hat der marktleiter mit dem zaunpfahl gewunken und die gelbe karte der roten backsteinbude gezeigt. kurz vorm hausverbot stehend, tätige ich meine einkäufe jetzt also nur noch in dem laden, obwohl der weg zum nächsten discounter gar nicht weit wäre - zwei häuser weiter ist noch ein bauplatz frei. naja... wenn die mich da wirklich rausschmeißen, gibts wenigstens nen neuen eintrag hier. obwohl... hausverbote werden sowieso überbewertet.