Freitag, 8. April 2011

nachbarschaft I

direkt vor unserer haustür steht ein zigarettenautomat. und was man nicht alles in zigarettenautomaten findet: im münzschacht 21 euronen von den besoffskis der letzten nacht zum beispiel, die stundenlang gegen den automaten treten, weil "der is sowieso kaputt". und deren ec-karte - falschrum eingesteckt natürlich. im besten fall jedoch dazu noch zwei schachteln der lieblingsmarke auf dem boden vorm automaten. so fängt ein tag doch schonmal vielversprechend an.

ich, als geneigter pfadfinder, erkenne an den zurückgelassenen spuren, dass es sich um einen ganz geselligen abend gehandelt haben muss:

da gären die essensreste in der brütenden mittagshitze - irgendeine pampe aus bier, chips, wodka und spaghetti bolognese. blickt man schräg am automaten vorbei gibt sich die ehemals peinlich genau geschnittene buchsbaumhecke des nachbarn zu erkennen. vormals quaderhaft majestätisch richtung sonne strebend liegt sie nun darnieder, zurückgeholt auf den boden der tatsachen. und diese erdung trägt einige meter weiter bereits früchte - hat sich doch ein schuh den weg in die krone des in voller blüte stehenden kirschbaumes gesucht. verzweifelt mit einer harke fuchtelnd grüßt mich da der nachbar:
"na - da hatten gestern wohl wieder ein paar studenten eine lange nacht..."
müde lächelnd grüße ich zurück und sinniere über den unglaublichen kater, den die idioten heute haben müssen. irgendwie geht die haustür nicht auf - deshalb wird kurzerhand das halbe haus wachgeklingelt. ein nachbar öffnet die tür:
"du - hier hat gerade jemand mein portemonnaie abgegeben, die ec-karte fehlt..."
ich hab ihm die karte dann am nächsten tag in den briefkasten geworfen, man ist ja kein unmensch. und klar geb ich ihm auch gerne mal ne zigarette ab, so als guter nachbar. bei der nächsten party muss ich unbedingt dabei sein. obwohl... nachbarschaft wird sowieso überbewertet.