Montag, 30. Mai 2011

die besten geschöpfe der welt I

heute beginne ich damit, lanzen für diejenigen geschöpfe zu brechen, die zweifelsohne zu den besten der welt gehören. von vielen unbeachtet und unterschätzt sind es nämlich gerade genau diese wesen, die ihr emsiges dasein ohne lobby und renommee fristen müssen. ihnen sei hiermit ein forum gegeben.
"wenn die kuh am himmel schwirrt,
hat sich die natur geirrt."
klar. jetzt wird jeder denken "milch und fleisch - fall erledigt". aber zu früh gefreut: in der kuh steckt noch viel mehr. methan zum beispiel - rund 230 liter davon ballert eine kuh pro tag in die atmosphäre, und schert sich keinen deut darum, dass sie mit diesem verhalten auf lange sicht zum klimakiller nummer eins avanciert.

und wer kennt sie nicht, die alte mär vom umschubsen. diese legende hält sich wohl auch noch die nächsten 20 generationen von besoffenem landvolk am leben. dass kühe nicht im stehen schlafen, scheint niemanden zu interessieren. umgeschubst hat wenigstens schon jeder dritte, dabeigewesen ist jeder zweite - aber alle sind sich darüber einig, dass es funktioniert. elendige umschubs-fundamentalisten!

dennnoch wurden und werden kühe immer wieder missbraucht - so musste schon im jahre 1401 die "bunte kuh" ihren guten namen dafür hergeben, dass der hübsche kopf von klausi störtebeker abgeschlagen wurde. heute haut man stattdessen im namen des konsumenten gleich der kuh die rübe weg und schnitzelt sie in stücke.

ja, die kuh hatte es nie besonders leicht - doch sie trägt ihr schicksal mit fassung. heroisch trotzt sie maschinellem befruchten, füttern, melken und schlachten. und selten, ganz selten kann man bei all der gelassenheit noch feuer in ihren müden alten augen aufblitzen sehen - nämlich dann, wenn sie ein loch im stacheldrahtzaun entdeckt und erhobenen hauptes vor den mit 300 klamotten heranrasenden ice "westerland/sylt" marschiert, der sie wieder beim schlafen gestört hat. red bull.
"hat der schaffner kuh am knie,
sag ihm, die natur irrt nie!"
ich mag die kuh. nicht nur weil sie so gelassen ist, sondern auch weil sie so gut schmeckt. obwohl... guter geschmack wird sowieso überbewertet.

Mittwoch, 18. Mai 2011

viele wege führen nach rom!

mein plan, handelsketten in den ruin (oder wenigstens wahnsinn) zu treiben, wird langsam aber sicher zum selbstläufer! vorgestern sollte zum beispiel eigentlich nur eine kurze liste abgearbeitet werden - der schnelle wöchentliche einkauf zwischendurch. daraus wurde natürlich mal wieder so eine unnütz-shopping-tour, wie sie eine großfamilie kurz vor kriegsbeginn oder weihnachten anstellt, um das nächste wochenende weitestgehend autark zu überstehen...

neben jeder menge schrott, die sich auf meiner regalregatta im einkaufswagen angesammelt hat, habe ich mir zur feier des tages auch mal ne total unschrottige kiste cola gegönnt und schließlich das sammelsurium quer durch die gemüseabteilung an kasse 7 bugsiert. gerade den inhalt der gitterkarre komplett aufs fließband gewuchtet, spricht mich die kassöse an:
"oh. wie ich sehe möchten sie eine kiste cola erstehen. haben sie denn auch die beiden kostenlosen flaschen dabei?"
froh leuchteten da meine augen auf:
"kostenlose flaschen?"
"ja. zu jeder kiste cola bekommt ein kunde unseres hauses noch zwei flaschen gratis dazu - gehen sie ruhig, ich warte so lange auf sie."
was hätte madame auch anderes machen sollen, aber gut - sowas lässt man sich nicht zweimal sagen... ich also als schnäppchenjäger zurück in den schuppen und noch zwei flaschen cola besorgt. nichtsahnend traf es mich dann auf dem heimweg wie ein blitz:

der saftladen gibt jedem, der ne kiste cola kauft, zwei flaschen gratis dabei - und die werden wie einzelgekaufte pullen bonniert. wenn ich mir jetzt 3.333.334 kisten cola kaufe, bedeutet das 6.666.668 gratisflaschen. die kisten lasse ich sofort nach dem einkauf an der informationstheke zurückgehen (die haben eh nich viel zu tun da) und behalte nur die geschenke, um der lieben kassöse nicht vor den kopf zu stoßen. die cola wird schön aufgesoffen, nochmal gepinkelt und dann kommt der clou an der sache: auf jeder cola sind ja 15 centiemen pfand - bei der rückgabe von 6.666.668 pullen wäre ich dann nicht nur pfandmillionär, sondern hätte auch noch 20 cent über für ne halbe tafel zartbitter!

war heute schon bei der bank und hab mir n termin für die kreditverhandlungen geben lassen. außerdem sollte im sparschwein auch noch was drin sein. morgen nochmal ausschlafen und dann wird real zu tode gepfändet. obwohl... mehrweg wird sowieso überbewertet.

Samstag, 14. Mai 2011

urinstinkte I

es gibt nicht viele dinge, die alles überstanden haben, was der mensch sich in seiner evolution so ausgedacht hat. heute möchte ich deshalb derer drei huldigen, ohne die der hochmoderne alltag nicht halb so aufregend wäre.

tarnen.
früher hat man sich irgendeine klebrige braune pampe an den wanst geschmiert oder nen brombeerbusch auf den rücken getackert - man wurde eins mit der natur und war für feind und beute schlichtweg nicht mehr zu erkennen. das in der überraschung des gegenüber bestehende moment war eine äußerst heimtückische waffe, die ihrem anwender kaum erfahrung oder können abverlangte. tarnen konnte sich im grunde jeder. hauptsache, man sah anschließend aus wie moorleiche oder komposthaufen.

jagen.
neben dem einsammeln von gemüse der wohl wichtigste bestandteil im urzeitlichen tagesablauf. das nachstellen, fangen und erlegen von zellwandlosem futtermaterial diente zur festigung der rangordnung und positionierung in der gesellschaft. auch wurde der keuchende leib gerecht verteilt: der langsame jäger bekam die lunge, der alte das hirn und der kranke das herz - und so hatte jeder was davon.

fressen.
eine erfolgreiche jagd wurde zünftig gefeiert. das dampfende fleisch über dem feuer röstend mit gesang und tanz der ganzen bagage zur vertilgung gestellt. mutti machte einen schönen obstsalat, vati knallte sich mit den onkels die vergorenen früchte hinter den latz und für die kinder war immer mal wieder ne tracht prügel fällig, weil sie den elefantenhoden nicht aufgegessen hatten. ein happening für jung und alt.

nun mögen sich viele leser wehmutsvoll diese vergangene zeit des wohlgefallens zurückwünschen - aber ich kann euch beruhigen: tarnung, jagd und fraß haben überlebt - sie sehen nur anders aus, heutzutage...

die pampe ist nicht mehr braun und aus dem schlammloch hinter den akazien, sondern milchig-weiß und von schlecker. klebt aber ganz ähnlich. weil das milchig-weiße geschlonze nicht mehr so gut tarnt, nagelt man sich heute ne pilotenbrille auf den riechkolben oder hackt sich schmierige beautypräparate in die fresse. aus mangel an erfahrung und können ist man jetzt für feind und beute nicht mehr zu erkennen und geht als schleimiger flugkommandant irgendeines sultanats getarnt - oder als pseudobordsteinschwalbe auf begattungstour. der zeitpunkt der überraschung hat sich in die frühen morgenstunden verlagert, in denen man zum ersten mal den streich entdeckt, den augen und hormone uns gestern abend gespielt haben. mimikry!

von erfolgreichen beutezügen hört man zur genüge, steigt doch die scheidungsrate beständig weiter an. wer sich so keine adäquate position in der gesellschaft sichern konnte, quält seine ohnehin bereits geschundene raucherlunge durch unermüdliches training oder wird zum greisen professor in molekularbiologie und kunsthistorik. einzig die völlig bekloppten verlieben sich bei jeder gelegenheit - und so hat jeder was davon.

wenigstens hat sich bei der futtervertilgung nicht ganz so viel verändert. gegrillt wird wie eh und je. dazu gesoffen, getanzt und am ende irgendjemand verhauen. immer wieder ein happening.

quintessenz: urinstinkte wohin man blickt - ob innenstadt, liegewiese oder festival. so betrachtet ist die evolution ne spannende sache und jeder sollte mal auf die blödbacken um sich herum achten. obwohl... achtung wird sowieso überbewertet.

Dienstag, 3. Mai 2011

schlaf frisst antworten

wo sind eigentlich die antworten hin, wenn man morgens um 15 uhr mit noch knapp 1,2 promille der totalen ausnüchterung entgegen segelt? nur wenige stunden zuvor hatte man sie noch, die lösung für alles - naja wenigstens die für die frage nach dem ganzen rest. stattdessen muss man auch an diesem tag wieder ernüchternd feststellen: schlaf frisst antworten. übrig bleiben fragen. über fragen. über fragen und fragen und fragen und fragen.

na wenigstens (oder: zu allem überfluss) ist man mit diesem schweren schicksal nicht alleine auf der welt. da ist die bäckereifachverdealerin, die süffisant fragt:
"möchten sie mal meine quarkbällchen probieren?"
oder der beifahrer, den 500 kilometer autobahn später beschäftigt, ob er den staubsauger ausgeschaltet hat.
"was wollte ich nochmal einkaufen?"
die antwort kennt immer nur der zettel auf dem küchentisch.

zuweilen besteht der ganze tag aus slalomfahrten durch solch unwichtigen kram. und abends dann, irgendwo zwischen kneipe nummer 4 und 7 findet man die antwort und behält sie natürlich erneut für sich. warum auch sollte man die ultimative antwort auf fragen wie "schmeckts?" oder "bist du wach?" dem blödgeborenen und blödsterbenden pöbel preisgeben?! mit dieser lösung im kopp ist man könig der welt - und hat sich auch so zu benehmen. da muss man sich nicht an wahnsinnigen gesprächen über kommunalpolitik und sternzeichen beteiligen. keinen schnickschnack halten mit irgendeiner ex in spe. man thront auf dem guten gefühl der gewissheit - kostet jeden moment aus. kann einem ja niemand das wasser reichen.

stunden später wird man frierend mit einem schädel wach, den die welt noch nicht gesehen hat. die ultimative lösung mal wieder vom schlaf gefressen. übrig bleiben fragen. fragen wie
"wem gehören die quarkbällchen hier?"
und
"warum wird hier eigentlich mitten in der nacht gestaubsaugt?"
nach grober rekonstruktion erinnert man sich noch flüchtig an fragmente der unterhaltung mit den süßen zwillingstöchtern des bürgermeisters von gestern abend. man wäre froh, wenn einem jemand ein wasser reichen würde. in greifbarer nähe aber nur das blinkende mobiltelefon:
"was zum teufel hast du gestern wieder alles geschrieben?"
man sollte weniger schlafen. obwohl... antworten werden sowieso überbewertet.