Dienstag, 3. Mai 2011

schlaf frisst antworten

wo sind eigentlich die antworten hin, wenn man morgens um 15 uhr mit noch knapp 1,2 promille der totalen ausnüchterung entgegen segelt? nur wenige stunden zuvor hatte man sie noch, die lösung für alles - naja wenigstens die für die frage nach dem ganzen rest. stattdessen muss man auch an diesem tag wieder ernüchternd feststellen: schlaf frisst antworten. übrig bleiben fragen. über fragen. über fragen und fragen und fragen und fragen.

na wenigstens (oder: zu allem überfluss) ist man mit diesem schweren schicksal nicht alleine auf der welt. da ist die bäckereifachverdealerin, die süffisant fragt:
"möchten sie mal meine quarkbällchen probieren?"
oder der beifahrer, den 500 kilometer autobahn später beschäftigt, ob er den staubsauger ausgeschaltet hat.
"was wollte ich nochmal einkaufen?"
die antwort kennt immer nur der zettel auf dem küchentisch.

zuweilen besteht der ganze tag aus slalomfahrten durch solch unwichtigen kram. und abends dann, irgendwo zwischen kneipe nummer 4 und 7 findet man die antwort und behält sie natürlich erneut für sich. warum auch sollte man die ultimative antwort auf fragen wie "schmeckts?" oder "bist du wach?" dem blödgeborenen und blödsterbenden pöbel preisgeben?! mit dieser lösung im kopp ist man könig der welt - und hat sich auch so zu benehmen. da muss man sich nicht an wahnsinnigen gesprächen über kommunalpolitik und sternzeichen beteiligen. keinen schnickschnack halten mit irgendeiner ex in spe. man thront auf dem guten gefühl der gewissheit - kostet jeden moment aus. kann einem ja niemand das wasser reichen.

stunden später wird man frierend mit einem schädel wach, den die welt noch nicht gesehen hat. die ultimative lösung mal wieder vom schlaf gefressen. übrig bleiben fragen. fragen wie
"wem gehören die quarkbällchen hier?"
und
"warum wird hier eigentlich mitten in der nacht gestaubsaugt?"
nach grober rekonstruktion erinnert man sich noch flüchtig an fragmente der unterhaltung mit den süßen zwillingstöchtern des bürgermeisters von gestern abend. man wäre froh, wenn einem jemand ein wasser reichen würde. in greifbarer nähe aber nur das blinkende mobiltelefon:
"was zum teufel hast du gestern wieder alles geschrieben?"
man sollte weniger schlafen. obwohl... antworten werden sowieso überbewertet.