Mittwoch, 29. Februar 2012

ein tag für die sinne

es gibt ja sehr viele tage an denen es sinnvoll gewesen wäre, im bett zu bleiben. und dann gibt es wiederum sehr viele tage an denen es sinnvoll gewesen wäre, aufzustehen. nun kann sich von mir aus jeder selbst schönmalen, wann und warum er es für erstrebenswert hält, sich den wahnsinn außerhalb des schlafgemachs anzutun oder sich weiter im milbenparadies zu suhlen - denn fakt ist: einen dieser tage sollte es eigentlich gar nicht geben und heute - am 29. februar - ist dieser tag.

ich hatte ja bereits vom santo padre aus 1582 berichtet - aber welchen blödsinn der eigentlich wirklich verzapft hat, wird mir dann doch erst heute richtig bewusst. man muss sich das mal vorstellen... da wirft sich jemand aufs chaiselongue und sagt:
"so. mir kam grad was in den sinn: ab morgen gibts n neuen kalender - und der gilt für alle zeit. basta."
blöd nur, dass onkel julius ein paar jahre vorher dieselbe idee hatte und mal schnell zehn tage auf den alten römischen kalender draufgeschaufelt hat, der nämlich bis 47 v. chr. angegeben hat, wer zu welchem zeitpunkt sinnlos an den querbalken genagelt wurde. welcher der feinen herren ist uns wohl besser in erinnerung?

gut. jetzt haben wir also die schlamastik und können alle vier jahre einen tag länger auf unser gehalt warten. achso... und natürlich in allen jahren, die durch 400 geteilt eine natürliche zahl ergeben... im moment siehts sogar so aus, als ob erst im jahr 4800 mal ein schalttag das zeitliche segnet, was an den unterschiedlichen längen von sonnen- und kalenderjahr liegen soll. das bedeutet allerdings auch, dass mancheiner dann acht jahre lang offiziell nicht geburtstag feiern darf - und ich zum glück nicht eingeladen werde. ich weiß nicht, ob ich an diesem tag besser im bett bleibe, oder aufstehe...

papa gregor hat sich diesen ganzen quatsch übrigens nur ausgedacht, damit seine mätressen ihm pünktlich zu ostern die eier bemalen - womit wir wieder beim wahnsinn wären. in den supermärkten stehen schon die ersten kinder besinnungslos vor eingeschmolzenen weihnachtsmännern aus dem vorjahr und warten auf die wiederauferstehung. schön! obwohl... sinnbilder werden sowieso überbewertet.

Freitag, 24. Februar 2012

die besten geschöpfe der welt II

"die ameise könnt' viel erzählen,
würd' man zum präsident sie wählen."
jaja... sie ist schon ein fleißiges bienchen, die ameise: die meiste zeit ihres lebens verbringt sie damit, irgendwelches gefissel durch feld und flur zu schleppen oder eindringlinge zu verprügeln - natürlich alles im auftrag ihrer majestät, der ehrwürdigen frau mutter oberin, die sich da in der mitte des nests breit gemacht hat und das eigene leben damit verbringt, fortwährend eier aus sich rauszupumpen.

das ameisenleben ist im gegensatz zum leben der meisten menschen anderen geschöpfe durch struktur und intelligenz geprägt. auf autobahnen gibt es keine staus und unordnung am arbeitsplatz wird sofort beseitigt, damit auch jede arbeiterin pünktlich ihren dienst antreten kann. dieser dienst besteht dann meistens daraus hügel zu bauen, tunnel zu buddeln, kadaver auseinander zu reißen, läuse zu melken oder der königin ein paar pilze zu züchten. und natürlich aus schlepperei. extra hierfür ausgebildete soldatinnen überwachen dieses zippeln und zappeln - und hauen ihren arbeitenden artgenossen was hinter die löffel, wenn sie nicht genug zeug ranschaffen.

ameisen sind also fortschrittlicher als der mensch - und zudem unterwerfen sie seinen fortschritt und untergraben seine irrtümlich angenommene autorität: vielleicht haben ameisen keine gefühle - aber dafür besitzen sie ein paar fühler, die sich als ganz nützliche werkzeuge bei der unermüdlichen nahrungssuche erwiesen haben. geleitet vom duft der vergänglichkeit finden sie jeden noch so verschlungenen pfad durch abwasserleitungen, gummidichtungen und elektropumpen - direkt in die spülmaschine oder den kühlschrank. man hat sogar schon von leuten gehört die beim picknick verhungert sind, weil sie von ameisen an einen anderen ort getragen wurden!
"ob kühlschrank oder spülmaschine,
sie schleppt mehr als die honigbiene!"
ich mag die ameise, auch wenn sie ein wirklich schweres leben hat. tagein und tagaus dieses geschleppe - "das sollte man doch anderen überlassen!" ...dachten sich wohl auch die männchen - und zack - wurden sie von den weibchen fortan nur noch zur begattung benötigt, hinterher rausgeschmissen, verklagt oder sogar gleich gefressen. auch kein schönes leben und irgendwie dann doch so fortschrittlich wie der mensch. obwohl... fortschritt wird sowieso überbewertet.

Mittwoch, 22. Februar 2012

fast 'n sonntag

endlich ist der spuk vorbei! ich wusste in den letzten wochen schon gar nicht mehr, wo ich mich verstecken soll, damit die vermummten gestalten mich mit ihrer gespielten fröhlichkeit in ruhe lassen. egal, wie ihr den tinnef nennt - karneval, fasching oder fastnacht - es ist und bleibt blödsinn, und außerdem war es das schon immer!

ihr heuchelt euch doch selbst die taschen voll: erstens sind genau solche menschen in diesen kokoloresvereinen und -gesellschaften arrangiert, die das ganze jahr über sonst nichts zu lachen haben und stattdessen das denunziantentum im staate am leben halten - und zweitens hat doch keiner von euch deppen auch nur einen blassen schimmer davon, warum ihr eigentlich die ganzen straßen mit konfetti und kamelle vollmüllt. wer von euch hält sich denn ab jetzt die nächsten 40 tage daran, der fleischeslust lust auf fleisch zu entsagen oder, nach luther, wenigstens besonders fromm sonntags in die kirche zu strackseln? geht mal wieder nicht, weil samstag ist da diese betriebsfeier, das straßenfest oder happy-hour in der cocktailbar.

und wie viele von euch sich den ganzen schrott so zurecht legen, wie sie es für richtig halten: "wir? - ja bei uns gibt es sonntags kein fleisch..." junge, junge, junge. ihr zerstört über drei monate den glauben normaler menschen an die menschlichkeit, indem ihr euch benehmt wie die entflohenen aus dem hôpital de la salpêtrière - und im anschluss daran binnen 40 tagen den glauben, den eigentlich ihr haben müsstet noch dazu.

zum glück schlägt euer damoklesschwert euch jedes jahr am aschermittwoch die rübe ab und ruhe kehrt ein in den straßen. endlich kann ich mich wieder auf den nächsten themenabend mit verkleidung freuen und euch, die ihr es wirklich ernst nehmt mit der fastenzeit, unter den tisch trinken - wenn auch nur sonntags. für mich ist heute schon fast so ein sonntag. obwohl... fasten wird sowieso überbewertet.

Sonntag, 19. Februar 2012

optik ist ein scharfes schwert

trage jetzt seit gut zwei jahren eine brille. es ist zwar nicht so, dass ich ohne nasenfahrrad völlig blind durch die gegend latschen würde, aber ich muss dann doch irgendwie zugeben, dass eine interessante signifikante korrelation zwischen brille tragen und dinge sehen besteht.

vor vier jahren etwa hab ich mich mal zum optiker führen lassen, weil ich irgendwann nachts auf der autobahn die richtige ausfahrt nicht erkannt habe und bis holland weitergebrettert bin. der linsenjongleur hat mit mir auch fein die komplette testreihe durchgezogen. als sich jedoch abzeichnete, dass ich student bin und folglich nicht die absicht hatte, einen nennenswerten geldbetrag in diamantgläser und bongossigestelle zu investieren, wurde dann relativ schnell eine vorübergehende sehschwäche - die sogenannte monitorblindheit - diagnostiziert.
"jetzt besser? jetzt besser? hauen sie ab, man!"
im laufe der zeit merkte ich aber, dass diese sehschwäche genauso vorübergehend war, wie "wetten, dass..?" in seinen besten jahren - nämlich gar nicht. länger als ein halbes jahr habe ich morgens keine cornflakes mit milch gegessen, sondern tagliatelle mit mehl. ständig habe ich wildfremde leute angerufen und unter anderem meinen mobilfunkvertrag an die wasserwerke geschickt.

um dem ein ende zu setzen bin ich dann vor zwei jahren eben nochmal in solch ein linsenfachgeschäft gestolpert und habe den insassen unmissverständlich klargemacht, dass ich dieses geschäft nicht verlassen würde, ohne eine horrende summe bargeld in den wind zu schießen - und sei die beratung auch noch so schlecht. fünf minuten wildes rangordnungsgehacke später hat sich schließlich die auszubildende im ersten lehrjahr meiner angenommen und mich in die katakomben des missverständnisses geführt.

unglaublich, was für eine odyssee man aus einem sehtest machen kann, wenn das hilflos darnierderliegende wirtschaftssubjekt keinen plan von brennweite und tiefenschärfe hat - und die auszubildende sogar noch weniger. nach mehreren einstellungen, vor- und zurückgeklappten linsen und lasermessungen erbarmte sich letzten endes doch noch der chef höchstpersönlich und verhalf mir freudestrahlend zu einer amtlichen hornhautverkrümmung bei leichter kurzsichtigkeit.

zurück im verkaufsraum ging die schlacht um den mit dem besten kunden des tages dann in die dritte runde:
"nehmen sie doch dieses gestell hier - das kostet nur 20 euro mehr und unterstreicht ihre hübsche augenpartie!"
"also extra dünne gläser wirken nicht so dick und sind auch nicht so schwer auf der nase..."
"unsere kunden nehmen eigentlich nur noch die vollentspiegelten - regine? haben wir die anderen eigentlich noch im angebot?"
hey! ich hatte bis zu diesem zeitpunkt noch nichtmal sonnenbrillen benutzt - und nun sollte ich mich plötzlich zwischen den höchstechnologischen mega-sehhilfen für diejenige entscheiden, die mein leben grundlegend und nachhaltig verändern sollte...

treues schaufenster in eine unterbelichtete welt.

eine gute woche später konnte ich mir das ophthalmologische kunstwerk zum ersten mal auf den riechkolben setzen - und schlagartig änderte sich mein leben: die auszubildende im ersten lehrjahr war in wirklichkeit reinigungskraft und 57. sie meinte aber trotzdem, dass mir die brille ganz gut stehe und man mich damit bestimmt auch sonst ernster nehmen würde...

ich habe seitdem keine ausfahrt mehr verpasst, so gut gegessen wie selten zuvor und sehe, wen ich nicht anrufen will. nur die rechnung der wasserwerke scheint mir bis heute etwas überzogen. nächste woche gehe ich zum ohrenarzt, denn ich glaube ich habe mich verhört als es hieß, dass sich mein krankenkassenbeitrag in den nächsten monaten verdoppelt. obwohl... immer alles hören zu müssen wird sowieso überbewertet.

Freitag, 17. Februar 2012

aus der konserve gelockt

napoleon, der da einst in russland und wenig später in belgien sein waterloo erlebt hat, könnte sich eine dritte kerbe in den schreibtisch ritzen, wenn er wüsste, was die menschheit aus seiner kohle gemacht hat. 12.000 goldfranc hat er nämlich damals, 1795 und wahrscheinlich in geistiger umnachtung demjenigen versprochen, der ihm ein verfahren liefert, mit dem man die nahrung für soldaten haltbar machen kann.

ein schlauer französischer croissantcreateur hat dann ein paar jahre später das konservieren durch erhitzen in luftdichten glasflaschen "erfunden" und die kohle mit wein, weib und gesang durchgebracht. kurz darauf hat ein noch schlauerer englischer kaufmann (wie es scheint ein feinschmecker vor dem herrn) dieses verfahren weiterentwickelt und schön den matsch von gestern abend in luftdichten blechkanistern eingekocht. zu allem überfluss hat er sich diesen blödsinn aber auch noch patentieren lassen.

ich bin mir sicher: wenn man heutzutage an den kilometerlangen regalwänden mit konservendosen vorbeirennt sind noch immer dosen von vor 200 jahren dazwischen. wenn man ganz viel glück hat erwischt man eine und der enthaltene fraß sieht nicht nur so aus, sondern riecht auch wie vor 200 jahren in einer kleinen englischen pantryküche vom meister selbst gebördelt.

nun ist es mir ja eigentlich schnurzpiepegal, wie futter aus der dose riecht oder aussieht - hauptsache es lässt sich warmmachen und essen. zum warmmachen oder essen kommt es aber meistens gar nicht mehr, weil man sich bereits beim öffnen der konserven den puls auf 200 jagt und kurz vor der einweisung steht. erst die pflicht: hammer, amboss, meißel, schraubenzieher und axt in die küche schleppen, um für die mission dosenöffnung gewappnet zu sein. dann die kür: müllbeutel austauschen (weil die restesuppe raustropfen und sich dabei unaufhaltsam einen weg unter den kühlschrank suchen wird), alles mit folie abdecken und schließlich die dose öffnen.

bei jeder dose "fisch in senf" musst du mit absolut gleichmäßigem kraftaufwand und in einer fließenden bewegung den deckel bis kurz vorm ende hochreißen, damit die sifferei vom druck nicht quer durch die reihenhaussiedlung geschlonzt wird - und trotzdem darfst du die reste mit der gabel noch aus der letzten ecke prökeln, denn mit dem deckel noch an der dose kommst du ja nich überall ran. weil dir dieses problem nicht unbekannt ist, versuchst du jedes mal (jedes mal!) den deckel so weit wie möglich nach hinten zu biegen, ohne dass er abreißt - denn wenn er erstmal abgerissen ist, kannst du auch gleich die küche neu tapezieren.

auch diese neumodischen dosenöffner (wenn man überhaupt einen im bestand hat), bei denen sich niemand mehr die lippen massakriert wenn er die ravioli direkt aus der dose in sich reinkippt, erleichtern uns das leben nicht wirklich. immer sitzt der quark noch unterm deckel - und immer legt man den deckel irgendwo hin, wo er irgendwas anderes einsaut. direkt überm mülleimer kann man ne dose ja nicht öffnen wenn man sicher gehen will, dass der inhalt sich nicht gleich mit ins duale system verabschiedet - und restmüll zum grünen punkt steht sowieso unter strafe.

was gibt es aber für alternativen?

glaskonserven mit metalldeckel geben ihren inhalt nur nach wahl unverhältnismäßiger mittel und übermäßiger härte frei. bis man mal den gummiring ausm weckglas gezogen hat, ist die aus der not heraus gekaufte frischware im kühlschrank bereits vergammelt.

tiefkühlkost in papier- und folienverpackung ist das einzige, was unsere gesellschaft heutzutage überhaupt noch kaufen, öffnen und zubereiten kann, ohne fast vor verzweiflung aus dem fenster zu springen! die hätte napoleon wahrscheinlich auch ganz gut gebrauchen können, als er da 1812 verzweifelt mit seinen konserven in moskau stand und niemand die teile aufbekommen hat. obwohl... verzweiflung wird sowieso überbewertet.

Mittwoch, 15. Februar 2012

abfälliger frieden

nicht nur, dass sich in dieser kommune des glückes ein bundespräsident mal eben 500.000 flocken für eine heimliche heimelige einfamilienfrevelei unter den nagel reißen kann - nein auch sonst gibt es zwischen wiehengebirge und teutoburger wald ganz gerissene ideen. unter anderem hat man hier beschlossen, dass die niederlande sich schön selbst drum kümmern soll, wenn die nordsee bei springtide mal überläuft und das brackwasser denen die tulpen versaut. nach dreißig jahren hauerei zwischen protestanten und katholen, habsburgern und franzosen, don quijote und rosinante, schneeweißchen und rosenrot, hat man sich hier zusammengesetzt und überlegt, dass das so nicht weitergeht. spitzen idee, da im amt!

das mit abstand am gerissenste hier ist jedoch das abfallentsorgungssystem. für die gelben säcke beispielsweise bekommt man hochoffizielle abholkarten. damit rennt man dann zum dealer seines vertrauens, schiebt die karte unauffällig über den tresen und erhält im hinterzimmer pro karte eine rolle gelbe säcke. "na wegen der zweckentfremdung" war die antwort auf meine frage danach, warum ich nicht gleich 4 rollen mitnehmen könne, obwohl ich nur eine abholkarte dabei hatte - immerhin würde ich belegschaft und kunden dann nicht jede woche mit der sackbesorgung aufhalten müssen - wir haben ja sicher alle besseres zu tun, als gelbe säcke von a nach b zu schleppen...

zweckentfremdung? dass ich nicht lache! erstens hat sich die folie in langjährigen testreihen meinerseits ohnehin als semipermeabel von innen nach außen erwiesen, und zweitens reißt einem der plastikscheiß sowieso bei der kleinsten ruckartigen bewegung entzwei und die joghurtpampe liegt im hausflur. wie soll man dieses meisterwerk eines 1,0 ingenieurs denn noch weiter vom zweck entfremden, als es sich das selbst schon tut?

über die letzten monate sammelte ich also abholkarten für gelbe säcke und schlage letzte woche zur stoßzeit an der kasse auf:
"15, nein warten sie, 25 rollen gelbe säcke bitte!"
"das geht nicht! nur in haushaltsüblichen mengen!"
"hören sie mal... ich habe die letzten 6 monate nichts an wertstoffen weggeschmissen, um mir den weg hierher und ihnen die zeit mit mir zu ersparen... sie sollten mal sehen, wie es bei mir zuhause aussieht! und erst der wasserverbrauch! jeden joghurtbecher hab ich ausgewaschen! jedes tamponpapier von unterm hackfleisch zum trocknen auf die heizung gelegt und zum altpapier gegeben! leere milchtüten aufgeschnitten und in die spülmaschine getan, damit nichts schimmelt..."
"nun geben sie ihm doch seine gelben säcke..."
 ...meint plötzlich eine dame von hinten...
"genau! haben sie sich nicht so!"
...sagt der herr, der gerade übers kassenband nach dem kümmerling greift...

ich hab dann die 25 rollen bekommen - und was soll ich sagen... endlich kann ich die säcke so lange doppelt nehmen, bis man das altöl und die autobatterien von außen nicht mehr erkennt. für die gartenarbeit im frühjahr und den umzug sollten auch noch genug übrig bleiben - und wenn nicht, dann müssten in ein paar tagen schon wieder neue abholkarten im postkasten liegen. die beraterinnen am service-telefon der abfallwirtschaftsgesellschaft muss ich nämlich per gerichtsbeschluss für das nachste quartal in frieden lassen. haben ja sicher besseres zu tun, als abholkarten von a nach b zu schicken. obwohl... frieden bei der arbeit wird sowieso überbewertet.

Dienstag, 7. Februar 2012

vom zeit haben

wir haben ja keine zeit mehr! bald ist schon wieder ostern, dann weihnachten, silvester und zack is das jahr um. wie wäre es denn, sich für das nächste jahr mal vorzunehmen, mehr zeit zu haben? oder wenigstens mal so zu tun, als hätte man mehr zeit? ich glaube ja, dass das unser leben ganz schön erleichtern würde. ständig betreten wir freiwillig zeitsysteme, fühlen uns dann darin gefangen und wollen sofort wieder raus. das is doch lächerlich, is das doch!

die allgemeine zeitnot macht sich vor allem in gerade solchen systemen bemerkbar, die mehrere menschen zur selben zeit nutzen. busse zum beispiel. es gibt tatsächlich menschen, die fahren zwei haltestellen mit dem bus, setzen sich aber trotzdem schön weit weg von der tür "noch kurz" hin - bis die türen sich geschlossen haben und der bus abfährt. denn dann stehen sie schweißgebadet auf und rennen zur tür, um ja nicht ihre haltestelle zu verpassen. meistens ist das genau die sorte mensch, dessen wohnung sich exakt in der mitte zwischen zwei bushaltestellen befindet. um einen sitzplatz zu ergattern, wird gerne der fußweg zur "früheren" haltestelle in kauf genommen - und dort dann 10 minuten fluchend auf den bus gewartet. in dieser zeit hätte man zwar bereits den gesamten einkauf zwei haltestellen weiter erledigt haben können, allerdings regt es sich so schlecht auf, so frierend zu fuß.

dann das gehampel an der ampel... wenn die menschheit nicht so dumm wäre wie sie ist, könnten bei grün einfach alle gleichzeitig aufs gas steigen, aber irgendein vollidiot pennt leider immer - und bleibt entweder noch die halbe grünphase stehen oder rasselt seinem vordermann in den fond. gut, dass es die hupe gibt! wer an der ampel hupt, meint in wirklichkeit:
"hey, schaut her! ich bin der trottel, dem es hier zu langsam voran geht - und auch der schwachmat, der vor aufregung dafür die nächste grünphase verpennt!"
stellt euch schön weiter in warteschlangen bei mcdonalds, wenn die kasse nebenan geöffnet ist - und regt euch auf, wenns nicht schnell genug geht! werft der kassiererin böse blicke zu, wenn der kunde vor euch noch die zigaretten haben will, die gerade nicht greifbar sind. verteufelt privatpatienten! steinigt beamte!

mir macht das alles nichts, denn der frühe vogel fängt den wurm! ab jetzt stelle ich mir den wecker auf 5 uhr - und dann wollen wir mal sehen, wer die frischesten brötchen und die ungelesenste zeitung sein eigen nennen darf. außerdem kann ich dann dem werbefuzzi was in die schnauze hauen, der hier jeden tag um kurz nach 7 trotz warnung alle mietparteien ausm schlaf klingelt und unseren hausflur mit altpapier vollschmeißt. ich kann meine pakete persönlich entgegennehmen - und ein vollbad vor sonnenaufgang. ich kriege jeden bus und muss nirgendwo anstehen oder warten. obwohl... zeit zu haben wird sowieso überbewertet.