Mittwoch, 15. Februar 2012

abfälliger frieden

nicht nur, dass sich in dieser kommune des glückes ein bundespräsident mal eben 500.000 flocken für eine heimliche heimelige einfamilienfrevelei unter den nagel reißen kann - nein auch sonst gibt es zwischen wiehengebirge und teutoburger wald ganz gerissene ideen. unter anderem hat man hier beschlossen, dass die niederlande sich schön selbst drum kümmern soll, wenn die nordsee bei springtide mal überläuft und das brackwasser denen die tulpen versaut. nach dreißig jahren hauerei zwischen protestanten und katholen, habsburgern und franzosen, don quijote und rosinante, schneeweißchen und rosenrot, hat man sich hier zusammengesetzt und überlegt, dass das so nicht weitergeht. spitzen idee, da im amt!

das mit abstand am gerissenste hier ist jedoch das abfallentsorgungssystem. für die gelben säcke beispielsweise bekommt man hochoffizielle abholkarten. damit rennt man dann zum dealer seines vertrauens, schiebt die karte unauffällig über den tresen und erhält im hinterzimmer pro karte eine rolle gelbe säcke. "na wegen der zweckentfremdung" war die antwort auf meine frage danach, warum ich nicht gleich 4 rollen mitnehmen könne, obwohl ich nur eine abholkarte dabei hatte - immerhin würde ich belegschaft und kunden dann nicht jede woche mit der sackbesorgung aufhalten müssen - wir haben ja sicher alle besseres zu tun, als gelbe säcke von a nach b zu schleppen...

zweckentfremdung? dass ich nicht lache! erstens hat sich die folie in langjährigen testreihen meinerseits ohnehin als semipermeabel von innen nach außen erwiesen, und zweitens reißt einem der plastikscheiß sowieso bei der kleinsten ruckartigen bewegung entzwei und die joghurtpampe liegt im hausflur. wie soll man dieses meisterwerk eines 1,0 ingenieurs denn noch weiter vom zweck entfremden, als es sich das selbst schon tut?

über die letzten monate sammelte ich also abholkarten für gelbe säcke und schlage letzte woche zur stoßzeit an der kasse auf:
"15, nein warten sie, 25 rollen gelbe säcke bitte!"
"das geht nicht! nur in haushaltsüblichen mengen!"
"hören sie mal... ich habe die letzten 6 monate nichts an wertstoffen weggeschmissen, um mir den weg hierher und ihnen die zeit mit mir zu ersparen... sie sollten mal sehen, wie es bei mir zuhause aussieht! und erst der wasserverbrauch! jeden joghurtbecher hab ich ausgewaschen! jedes tamponpapier von unterm hackfleisch zum trocknen auf die heizung gelegt und zum altpapier gegeben! leere milchtüten aufgeschnitten und in die spülmaschine getan, damit nichts schimmelt..."
"nun geben sie ihm doch seine gelben säcke..."
 ...meint plötzlich eine dame von hinten...
"genau! haben sie sich nicht so!"
...sagt der herr, der gerade übers kassenband nach dem kümmerling greift...

ich hab dann die 25 rollen bekommen - und was soll ich sagen... endlich kann ich die säcke so lange doppelt nehmen, bis man das altöl und die autobatterien von außen nicht mehr erkennt. für die gartenarbeit im frühjahr und den umzug sollten auch noch genug übrig bleiben - und wenn nicht, dann müssten in ein paar tagen schon wieder neue abholkarten im postkasten liegen. die beraterinnen am service-telefon der abfallwirtschaftsgesellschaft muss ich nämlich per gerichtsbeschluss für das nachste quartal in frieden lassen. haben ja sicher besseres zu tun, als abholkarten von a nach b zu schicken. obwohl... frieden bei der arbeit wird sowieso überbewertet.