Dienstag, 6. März 2012

ein schlechter guter tag

es ist sieben uhr morgens. nach monaten voller dunkelheit und schrecken scheint es so, als ob der frühling doch tatsächlich den winter vertreibt. krokusse und osterglocken geben sich im saftigen gras des gartens ein stelldichein. über der morgendlichen ruhe liegt nur das freundliche zwitschern der vögel, die ebenso wie ich die frische, klare luft zu schätzen wissen und bereits zu früher stunde bestens gelaunt durch die lüfte tollen. weit und breit keine spur von hektik, stress und ungeziefer. das wird ein guter tag!

bei kaffee und zigarette sitze ich am fenster, folge dem munteren treiben meiner gefiederten freunde und sinniere über das leben. da bemerke ich einen schleier, der die ersten kräftigen sonnenstrahlen des jahres zurück zu halten versucht. kein wunder - habe ich doch seit fast einem jahr die fenster nicht mehr geputzt. licht setzt endorphine frei, also auf ans werk!

eimer und putzmittel sind schnell bereitgestellt. nach dem öffnen der fenster wird der mief des winters unaufhaltsam durch eine kühle, von tatendrang erfüllte luft vertrieben. schon mit dem ersten zug über die scheibe lässt sich ein unterschied wie tag und nacht feststellen. voller eifer werden nun auch rahmen und sogar rollladen vom schmutz der letzten jahre befreit.

im lichtdurchfluteten zimmer gibt sich der staub von vergänglichkeit auf dem mobiliar zu erkennen. überschäumender reinigungszwang veranlasst mich, staubbesen und -tuch zu reaktiveren und schließlich wische ich, was das zeug hält. sauberkeit macht sich breit in meiner bescheidenen behausung.

jetzt fällt mir der teppich ins auge, dessen antlitz im letzten sommer von freunden noch irrtümlich als neuwertig bezeichnet wurde. mit teppichschaum und scheuerschwamm werden zunächst die größten missgeschicke der vergangenen zusammenkünfte beseitigt, um abschließend mit staubsauger und bürste dem flor zu alter beschaulichkeit zu verhelfen.

ich empfinde mich schließlich selbst irgendwie als gegenpol zum strahlenden glanz meiner vier wände und begebe mich, froh so viel geschafft zu haben, unter die dusche. beim abtrocknen macht sich trotz geöffnetem badezimmerfenster eine undankbare stille breit. wo sind die vögel hin? gespannt wische ich mir mit dem handtuch ein kleines sichtfenster in die vom wasserdampf beschlagene scheibe. wo sind die krokusse hin?

ich stürme aus dem bad ins wohnzimmer und sehe gerade noch den wagen unseres gärtners um die ecke biegen. musste dieser satan doch ausgerechnet heute auch so früh aufstehen! mich durchzuckt eine unheilvolle vorahnung - auf dem absatz mache ich kehrt und renne in mein zimmer, wo mich der schlag trifft:

beim öffnen der tür kommt mir eine dichte staub- und aschewolke entgegen. das fenster steht weit offen. des gärtners rasentrimmer hat krokusschnipsel, erde und dreck nicht nur an scheibe und rahmen geschossen, sondern auch bis in die letzte ecke des raumes verteilt. mein gut gefüllter aschenbecher ist mitsamt brennender zigarette vom fensterbrett gefallen und hat bei der aktion auch gleich die kaffeetasse das zeitliche segnen lassen. alles voll mit schmodder und geömmel.

in einer lauwarmen suppe aus asche und kaffee stehend lasse ich langsam den rollladen herunter und lege mich sodann wieder ins bett. was für ein beschissener tag. den nächsten frühjahrsputz verschiebe ich auf einen sonntag, irgendwann im november. obwohl... frühjahrsputz wird sowieso überbewertet.