Montag, 28. Mai 2012

urinstinkte II

grundsätzlich ist an der 30 nichts auszusetzen. man hofft zwar immer, dass mit der 30 dann doch irgendwie alles anders wird und sowieso... aber diese hoffnung kann man getrost in die tonne kloppen - denn mit 30 ändert sich eigentlich überhaupt nichts.

bei 27° im schatten ölt man sich die unterhose voll. jede art von bewegung hinterlässt sofort diesen glitschigen schweißrand im hemd, der einem in der fußgängerzone seine eigene straßenseite beschert. mit dieser waffe könnte man demonstrationen auflösen und ganze kriege für sich entscheiden. nachts schläft man bei angekipptem fenster, weil einem die natürliche angst vor dem erstickungstod innewohnt.

bei 28° geben kühlschrank und froster ihren geist auf. in der küche macht sich ein sud aus speiseeis, zerlassener butter und erdbeerquark auf dem linoleum breit. mit geöffnetem backofen und festgestelltem toaster werden erste gegenmaßnahmen ergriffen. feuer mit feuer bekämpfen heißt die devise. nachts stehen alle fenster des hauses weit geöffnet. der durchzug ändert das mikroklima - während im bad die kacheln vor hitze von der wand platzen gibt es im wohnzimmer erste anzeichen von ausgedehnten sanddünen und urtümlichen kraterlandschaften.

bei 29° fangen die wasserleitungen im haus an zu glühen. ohne den einsatz von hilfsmitteln wird duschen unmöglich. nur noch wasserkocher und kaffeemaschine regulieren die temperatur vom brühenden h2o auf ein erträgliches maß. verschließbare gefäße sind mangelware. alles, was irgendwie zur kühlung beitragen könnte, wird genutzt. das dampfbügeleisen lindert die durch brüllende sonne hervorgerufenen verbrennungen nur noch kurzzeitig. fenstergläser verflüssigen sich. mit allerletzter kraft füllt man die badewanne, schnappt sich sein lieblingskissen und köchelt fortan nachts im email. zu ertrinken, weiß man, ist besser als zu ersticken.

mit 30 ändert sich eigentlich überhaupt nichts. gut - kreislauf und kopf machen schon bei 26° nicht mehr so mit und auch sonst geht es körperlich eher steil bergab - aber der instinktive drang, selbst unter den härtesten bedingungen das eigene überleben zu sichern, ist vorhandener denn je! obwohl... kreislauf und kopf werden sowieso überbewertet.

Freitag, 18. Mai 2012

vom pfad zur richtigen tür

mittlerweile sollte sich schon rumgesprochen haben, dass mindestens die hälfte meiner mitbevölkerung ihren verstand morgens auf dem küchentisch vergisst. diese einst als unheilvolle vorahnung abgestempelte genugtuung manifestiert sich allerdings in den letzten wochen zur gewissheit. und - so gern ich es auch täte - rede ich nicht mehr nur von 60 oder 70 prozent. nein. irgendwie haben plötzlich alle einen an der waffel und ich frage mich, wie die leute morgens die tür finden, um das haus zu verlassen!

da war die groß angekündigte moorexkursion. der geschicktere guckt sich am abend vor abmarsch noch kurz den wetterbericht an, erkennt apokalyptische wolkenformationen auf dem satellitenfilm und legt die lange unterhose, den anorak und den flachmann im ankleidezimmer zurecht. der ungeschicktere hingegen taucht im minirock mit sandalen im moor auf, friert sich die extremitäten steif und stöckelt wie ein storch auf rohen eiern durch den torf. einzige augenweide: 
"nippel, da kannste ne nasse lederjacke dran aufhängen!"
(o-ton herr p.)
da ist die kindertagesstätte von nebenan. din-zertifiziert und unterhalten durch das studentenwerk, dem auch ich meinen halbjährlichen langzeitmitgliedsbeitrag in den hals stopfe, um in den genuss von schmieriger schleimpampe in überfüllten mensen und schleimigen schmierlappen im öffentlichen personennahverkehr zu kommen. mein vormals ausgesprochen großes verständnis für studierende mit kind geht seit spätestens letzter woche gegen null, als die besatzung eines rettungshubschraubers um 4 uhr morgens unseren innenhof mit dem landeplatz am klinikum verwechselt hat.

die aufseherinnen von justin, samantha und wie sie alle heißen tun sich wohl schon vormittags branntwein in den kaffee - denn sonst würden sie mitbekommen, dass ihre flutlichtanlage jede nacht das halbe viertel in gleißende helligkeit versetzt. selbst der energieversorger am anderen ende der stadt kommt vor lachen nicht mehr in den schlaf und verlegt gerade ein neues erdkabel, um den anfallenden gigawattstunden herr zu werden.

um den nachbarn von oben ist es hingegen sehr ruhig geworden. entweder hat er sich endlich das gehirn rausgebohrt und findet die tür nicht mehr, oder unsere gegenfeuer in form von nächtlicher beschallung und exzessiver grillerei zeigen erste wirkung. an schlaf hab ich dabei schon längere zeit nicht mehr gedacht - schließlich muss ja jemand die kontrolle behalten über den wahnwitz, der hier überall stattfindet.

kurz vorm kollaps ertappe ich mich immer häufiger mitten in der nacht im treppenhaus. bekleidet nur mit lederjacke und hochsocken. grillkohle in der einen, sonnenmilch in der anderen hand. dann werde ich frierend wach, drehe den schlüssel und schalte endlich das licht aus in der kita. jeden tag eine gute tat! obwohl... den richtigen pfad zu finden wird sowieso überbewertet.

Montag, 14. Mai 2012

es ist krieg! ein nachtritt.

ich habe es längst gemerkt! du hältst immer eine böse überraschung für mich parat. mit dieser erkenntnis in der bügelfalte wollte ich mich vorbereiten, hoffte gar siegen zu können - doch trotz aller spitzfindigkeit und obacht schlugst du mir jahr für jahr ein schnippchen.

menschen und antworten hast du ja bereits gestohlen - und ich hatte dir verziehen. aber was du dir jetzt herausgenommen hast, geht mir zu weit. klar, dass ich mich bei einem solchen gegner auf immer härtere bandagen einstellen musste - aber so tief unter der gürtellinie?

unfreiwillig auf dem boden der tatsachen zurück nutze ich an dieser stelle doch lieber die letzten noch verbleibenden meter und schwelge wehmütig in erinnerungen an die gemeinsame zeit. wo bin ich nicht überall gewesen mit meinen latschen... quer durch europa haben sie mich getragen. durch vorstellungsgespräche, fußballspiele und nobel-diskotheken. durch städte, seen und moore. berge, täler, pedale und beziehungen wurden durchgestanden. tag und nacht auf busse, züge und taxis gewartet. wind und wetter getrotzt. gelächter und bewunderung geerntet... nein. das ist wahrlich kein würdiges ende!

sicher. man muss sich irgendwann auch von seinen treuesten wegbegleitern trennen und ich gestehe zu meiner schuld, dass ich diesen moment eventuell etwas zu lange hinausgezögert habe. dennoch: aus dem verborgenen stellen nur feiglinge dem tapferen nach! wie einst apollo dem achilles säbelst du mir hinterrücks die pantoffeln von den füßen! hör mal, mai - diese schlacht magst du gewonnen haben, doch der krieg geht weiter!

wenn die maya recht behalten, dann gibts dich im nächsten jahr sowieso nicht mehr - und wenn sie nicht recht behalten, dann stelle ich mich halt dem kampf. lass dir gesagt sein: für das passende schuhwerk ist gesorgt. ich habe nämlich vorhin die kleine fränkische manufaktur ausfindig gemacht, die das - nein mein modell noch immer in altbewährter qualität herstellt. obermaterial und fußbett aus leder mit schweißabsorbierendem kohlevlies. 

bestellt werden die dinger erst nach der trauerzeit im juni - aber dann trete ich dir mit dem magic point fersenpolster gehörig in den arsch! obwohl... arschtritte werden sowieso überbewertet.