Freitag, 18. Mai 2012

vom pfad zur richtigen tür

mittlerweile sollte sich schon rumgesprochen haben, dass mindestens die hälfte meiner mitbevölkerung ihren verstand morgens auf dem küchentisch vergisst. diese einst als unheilvolle vorahnung abgestempelte genugtuung manifestiert sich allerdings in den letzten wochen zur gewissheit. und - so gern ich es auch täte - rede ich nicht mehr nur von 60 oder 70 prozent. nein. irgendwie haben plötzlich alle einen an der waffel und ich frage mich, wie die leute morgens die tür finden, um das haus zu verlassen!

da war die groß angekündigte moorexkursion. der geschicktere guckt sich am abend vor abmarsch noch kurz den wetterbericht an, erkennt apokalyptische wolkenformationen auf dem satellitenfilm und legt die lange unterhose, den anorak und den flachmann im ankleidezimmer zurecht. der ungeschicktere hingegen taucht im minirock mit sandalen im moor auf, friert sich die extremitäten steif und stöckelt wie ein storch auf rohen eiern durch den torf. einzige augenweide: 
"nippel, da kannste ne nasse lederjacke dran aufhängen!"
(o-ton herr p.)
da ist die kindertagesstätte von nebenan. din-zertifiziert und unterhalten durch das studentenwerk, dem auch ich meinen halbjährlichen langzeitmitgliedsbeitrag in den hals stopfe, um in den genuss von schmieriger schleimpampe in überfüllten mensen und schleimigen schmierlappen im öffentlichen personennahverkehr zu kommen. mein vormals ausgesprochen großes verständnis für studierende mit kind geht seit spätestens letzter woche gegen null, als die besatzung eines rettungshubschraubers um 4 uhr morgens unseren innenhof mit dem landeplatz am klinikum verwechselt hat.

die aufseherinnen von justin, samantha und wie sie alle heißen tun sich wohl schon vormittags branntwein in den kaffee - denn sonst würden sie mitbekommen, dass ihre flutlichtanlage jede nacht das halbe viertel in gleißende helligkeit versetzt. selbst der energieversorger am anderen ende der stadt kommt vor lachen nicht mehr in den schlaf und verlegt gerade ein neues erdkabel, um den anfallenden gigawattstunden herr zu werden.

um den nachbarn von oben ist es hingegen sehr ruhig geworden. entweder hat er sich endlich das gehirn rausgebohrt und findet die tür nicht mehr, oder unsere gegenfeuer in form von nächtlicher beschallung und exzessiver grillerei zeigen erste wirkung. an schlaf hab ich dabei schon längere zeit nicht mehr gedacht - schließlich muss ja jemand die kontrolle behalten über den wahnwitz, der hier überall stattfindet.

kurz vorm kollaps ertappe ich mich immer häufiger mitten in der nacht im treppenhaus. bekleidet nur mit lederjacke und hochsocken. grillkohle in der einen, sonnenmilch in der anderen hand. dann werde ich frierend wach, drehe den schlüssel und schalte endlich das licht aus in der kita. jeden tag eine gute tat! obwohl... den richtigen pfad zu finden wird sowieso überbewertet.