Dienstag, 12. Juni 2012

wenn sie das haus verlässt II

du träumst von der guten alten zeit in der freiwilligen feuerwehr, wo nach jeder übung der grill angeschmissen und durst mit bier anstatt mit magen-darm-tee gelöscht wurde. das wiederholte klingeln deines handys wird bereits zum vierten mal in den traum eingebaut:
"nicht erreichbar zu sein, bedeutet viel zu tun zu haben!"
während du dich gerade wieder auf die andere seite drehst und kurz vorm wegsegeln den blick durchs zimmer schweifen lässt, klopft irgend ein idiot wie angestochen an der tür. du entscheidest dich für die üblichen 30 sekunden, die du dich sonst auch immer tot stellst, wenn dich jemand zu wecken versucht. immerhin hat dir das schon häufig zeugenpack, gez, vermieterin und verkehr vom hals gehalten. diesmal scheint ein besonders penetranter spinner an der pforte zu randalieren und nach drei minuten bist du schließlich wach genug, um aus dem bett zu springen und dem affen ohne vorwarnung eins auf die zwiebel zu geben.

chuck norris im kopf stapfst du schlaftrunken in richtung tür. du holst tief luft als dir plötzlich klar wird, dass da wohl doch niemand dein letztes hemd will, sondern sich die aufbackbrötchen von vorhin in der mikrowellen-grill-kombi spontan selbst entzündet haben. mit einer hand öffnest du im vorbeirennen die wohnungstür, mit der anderen greifst du nach der halbvollen tasse magen-darm-tee, die von der heiligen barbara in weiser voraussicht auf der anrichte stehengelassen wurde.

durch schwaden von schwarzem rauch erahnst du die ungefähre position des 2500 watt einzugsgeschenkes, holst aus - und nach einem knall erklingt von leisem knistern begleitet zum letzten mal das helle glöckchen:
"schatz, die brötchen sind fertig!"
flüstert dir von hinten dein nachbar ins ohr, dreht sich um, faselt dabei irgendwas von feuerwehr abbestellen und geht. die tür fällt ins schloss. ruhe is. einen augenblick lang lauschst du andächtig der stille - bis dein handy diesen moment jäh unterbricht. wacher als geplant schaust du aufs display. madame bovary.
"ich habe vergessen, die mikrowelle auszuschalten. nicht, dass da noch was passiert! und denk zur abwechslung mal an die blumen! ich weiß ja, dass du auf vertrocknetes gemüse stehst - aber meine orchideen brauchen etwas mehr aufmerksamkeit als deine gruselige ex!"
bei der gelegenheit schaltest du auf durchzug und blickst beim öffnen der fenster wie zum abschied auf dein altes bett, das sich mit letzter kraft der hydraulik des müllwagens entgegenstemmt. ein fernes knacken lässt dich auf dem weg in den keller kurz innehalten. jök is schlimmer as pien!