Mittwoch, 9. Januar 2013

oh, du hohe ingenieurskunst I

was man heute nicht alles studieren kann - und wie viele töffel sich anschließend "ingenieur" nennen dürfen! der eine beschäftigt sich mit dosierventilen und drucksensoren an solarförderpumpen, der andere entwickelt tiefgaragenstellplätze für hubschrauber, und wieder jemand anderes verwirkt sein budget für die erprobung neuer warmhaltetechniken für muttermilch. was sie alle gemeinsam haben: keinen plan!

viel zu häufig steht man vor der schier unlösbaren aufgabe, die kaffeemaschine zu reinigen. während des studiums wurde es den irdischen vertretern des teufels noch eingebläut:
"funktionalität geht vor design!"
...und so sieht man sich mit wattestäbchen und feinmechanikerwerkzeug bewaffnet vor der plastenen madonna stehen und staunt über die schier endlose kompliziertheit des meisterstückes eines van gogh der ingenieurszunft. alles - aber auch wirklich alles so angelegt, dass sich selbst die kleinste ritze mit kaffeeschmodder zusetzen kann. nirgends eine schraube, klemme oder gar ein gelenk zu sehen, mit dem man die todesmaschinerie auseinander nehmen könnte. stattdessen sollbruchstellen, scharfe kanten und sowieso möglichst wenig material.
"neu ist billiger, als reparatur!"
wann hält dieses credo endlich auch einzug in die personalabteilungen? dann möchte ich sie mal sehen, diese bleistiftspitzer von den ingenieursfakultäten!

ich jedenfalls wünsche mir eine andere kaffeemaschine am markt. eine maschine, der man nicht mit zahnstochern vorgaukeln muss, dass das pad eingelegt ist. eine maschine, die nicht mehr pulver in ihren hohlräumen bunkert als in die filterklappe passt. eine maschine, die leicht auseinander zu nehmen und zu reinigen ist! am besten aus holz oder stahlbeton mit solider bewehrung. auf sowas kommen die damen und herren ja nicht, mit ihren energieflussrechnungen. da muss erst einer her, der sich die halbe hand absäbelt, nur weil er eine tasse kaffee trinken möchte.

da lob ich mir doch meinen frisör. in der wartezeit gibts dort nämlich kaffee für lau - und eventuell kann man den ja auch mal anquatschen, ob er den werdenden ingenieuren nicht mal nen absinth unterjubelt und dann ganz dramatisch aus versehen am ohr rumschnippelt. obwohl... dramatik wird sowieso überbewertet.