Dienstag, 24. Februar 2015

vom potential der ruhe

ich kann der beständigkeit nur so lange vertrauen, bis ich mir ihrer bewusst werde. das ist zwar nicht erst seit kurzem so und hätte schon lange (sehr lange, ich weiß...) hier mal behandelt werden sollen und müssen, allerdings gibt es jetzt einen ganz besonderen anlass dazu. fix das zehnfingersystem rekapituliert, ein paar wenige anpassungen an design und nagellack vorgenommen - und schon geht der bums hier mit dem ersten beitrag nach stunde null wieder auf sendung.

naja - nicht ganz stunde null. die welt hört schließlich nicht auf, sich zu drehen, nur weil der onkel mal für unbestimmte zeit mit sack und pack verschwindet. sie drehte sich nur ein wenig langsamer, dort wo ich mich befand. dazu aber in den folgenden beiträgen mehr, womit wir auch schon beim thema wären:

das idiotenvolk befindet sich seit langer zeit auf der hetzjagd nach potential. dabei wird wie bei jedem eifer der klägliche restverstand in den stand-by modus versetzt, sofern er denn überhaupt noch vorhanden ist und nicht bereits mit dem mobiltelefon fanatisch über whatsapp und co. an andere minderbemittelte geschöpfe verscherbelt wurde. wenn eines dieser im grunde bemitleidenswerten exemplare mensch dann zum leidwesen aller klardenkenden auch noch potential entdeckt - hat es neurotisch genutzt zu werden, und zwar sofort. und um jeden noch so hohen preis.

das potential, also die fähigkeit zur entwicklung zu nutzen, bedeutet dann für die armen tropfe meist: inhalte zu schaffen. sich zu dekorieren, auszufüllen, zu erweitern, zu verwirklichen, zu beweihräuchern, mitzuteilen und sich damit doch immer weiter selbst zu verbrauchen, denn:

allein die tatsache, dass etwas die fähigkeit besitzt, sich zu entwickeln, sagt nichts darüber aus, in welche richtung das passieren muss, soll oder darf.

ich für meinen teil fülle potentiale ab sofort mit ruhe - und pfeife dabei auf euer fanatisches obsessionsgesuche nach selbstverwirklichung und genugtuung. obwohl... potentiell wird ruhe sowieso überbewertet.


Montag, 28. Januar 2013

auf cashkurs

"nur bares ist wahres"
sagt man ja so schön. dabei geht mir besonders dieses gelumpe von münzgeld seit kurzem ganz schön auf die nerven:

fast drei wochen lang schleppe ich nun schon kiloweise klimpergeld mit mir rum, weil ich in mentaler abwesenheit meine ec-karte irgendwo liegen gelassen habe. aufgefallen ist mir das natürlich mitten in der nacht bei gefühlten minus 20 grad draußen vor meinem privat-zigarettenautomaten. ich bin zwar stolzer besitzer von zwei bankkarten, allerdings ist der chip der verbliebenen karte schon mehrfach in natronlauge getaucht worden oder hat sich aufgrund meiner nebentätigkeit als außendienstler des MI6 selbst zerstört - jedenfalls gibt der keinen ton mehr von sich und fühlt sich wie ein relikt aus dem äneolithikum an. wenigstens der magnetstreifen funktioniert noch.

bevor die sperrhotline (kostenlos) über den verlust meiner nikotinzugangsberechtigung informiert werden sollte, habe ich noch schnell auf hochsocken und t-shirt das auto mit steifgefrorenen fingern auf den kopf gestellt und dabei als krönung zwei münzen des zigarettengeldes im schnee verloren (unbezahlbar).

die dame vom sperrbezirk (münchener nummer) hatte in der nacht zum dienstag wohl nicht viel zu tun oder war leicht angetrunken, denn sie hat mir am telefon munter versprochen, dass mir die neue karte nicht in rechnung gestellt werden würde. ihre begründung dazu war
"weil heute wochenende ist!"
...das glaube ich rosi aber auch erst nach ende des quartals, wenn mir die kontoführungsgebühren wieder tränen in die augen treiben.

um überhaupt kohle in der tasche zu haben, bin ich dann am nächsten tag mit der zweiten karte zum automaten und stellte fluchend fest, dass mein mobilfunkanbieter dieses konto bereits leergeräumt hatte. als letzter ausweg blieb mir damit nur noch die alte 1 kg phantasia snack box in meinem schreibtisch, in die ich alles reinschmeiße, dessen wert unter 50 cent liegt - passt ja schließlich nicht in den glimmstengelverkaufsapparat und auch sonst kann man diesen metallschrott in der regel nicht gebrauchen.

damit also ab zur tankstelle, zigaretten holen. 4,90 euro in münzen können ganz schön schwer sein und sind nahezu unzählbar. deshalb - und aus menschlichkeit - habe ich nur 3,75 eingepackt und dafür ein päckchen drehtabak geordert. selbstverständlich nicht ohne mich beim tankwart und der warteschlange hinter mir dafür zu entschuldigen, dass ich für einen pfennigartikel säckeweise münzen ankarre:
"ec-karte verloren. tut mir leid..."
"so eine gelbe von der comdirect?"
"...?!"
"wir sagen es ja immer wieder... erstmal bei der tankstelle nachfragen. hier liegen noch dutzende rum!"
da war das mistding also abgeblieben! jetzt sitze ich hier seit tagen mit einer gesperrten ec-karte eines kontos, auf dem noch geld ist, das ich nicht abheben kann. und mit einer ungesperrten ec-karte eines kontos, auf dem kein geld mehr ist. und mit einer phantasia box, die nur noch ein- und zwei-cent-münzen enthält. so spritsparend wie in dieser zeit bin ich schon lange nicht mehr auto gefahren - die nächste betankung wird so lange wie möglich hinausgezögert, anschließend mit neuer karte das konto geplündert und die phantasia box mit münzen ab 50 cent wertigkeit aufgestockt.

von dem märchen, dass man am automaten zigaretten auch mit ausweis oder führerschein bekommt, schreibe ich ein anderes mal. bis dahin versuche ich mir die pin der neuen ec-karte zu merken und suche unauffällig die verlorenen münzen im schneematsch. obwohl... unauffälligkeit wird sowieso überbewertet.


Mittwoch, 9. Januar 2013

oh, du hohe ingenieurskunst I

was man heute nicht alles studieren kann - und wie viele töffel sich anschließend "ingenieur" nennen dürfen! der eine beschäftigt sich mit dosierventilen und drucksensoren an solarförderpumpen, der andere entwickelt tiefgaragenstellplätze für hubschrauber, und wieder jemand anderes verwirkt sein budget für die erprobung neuer warmhaltetechniken für muttermilch. was sie alle gemeinsam haben: keinen plan!

viel zu häufig steht man vor der schier unlösbaren aufgabe, die kaffeemaschine zu reinigen. während des studiums wurde es den irdischen vertretern des teufels noch eingebläut:
"funktionalität geht vor design!"
...und so sieht man sich mit wattestäbchen und feinmechanikerwerkzeug bewaffnet vor der plastenen madonna stehen und staunt über die schier endlose kompliziertheit des meisterstückes eines van gogh der ingenieurszunft. alles - aber auch wirklich alles so angelegt, dass sich selbst die kleinste ritze mit kaffeeschmodder zusetzen kann. nirgends eine schraube, klemme oder gar ein gelenk zu sehen, mit dem man die todesmaschinerie auseinander nehmen könnte. stattdessen sollbruchstellen, scharfe kanten und sowieso möglichst wenig material.
"neu ist billiger, als reparatur!"
wann hält dieses credo endlich auch einzug in die personalabteilungen? dann möchte ich sie mal sehen, diese bleistiftspitzer von den ingenieursfakultäten!

ich jedenfalls wünsche mir eine andere kaffeemaschine am markt. eine maschine, der man nicht mit zahnstochern vorgaukeln muss, dass das pad eingelegt ist. eine maschine, die nicht mehr pulver in ihren hohlräumen bunkert als in die filterklappe passt. eine maschine, die leicht auseinander zu nehmen und zu reinigen ist! am besten aus holz oder stahlbeton mit solider bewehrung. auf sowas kommen die damen und herren ja nicht, mit ihren energieflussrechnungen. da muss erst einer her, der sich die halbe hand absäbelt, nur weil er eine tasse kaffee trinken möchte.

da lob ich mir doch meinen frisör. in der wartezeit gibts dort nämlich kaffee für lau - und eventuell kann man den ja auch mal anquatschen, ob er den werdenden ingenieuren nicht mal nen absinth unterjubelt und dann ganz dramatisch aus versehen am ohr rumschnippelt. obwohl... dramatik wird sowieso überbewertet.


Sonntag, 6. Januar 2013

stürmische zeiten

so weit ist es also gekommen. in der obligatorischen halbjahres-schreib-pause bin ich ja gewohnt, zu dingen genötigt zu werden - aber dieses mal ging es wirklich drunter und drüber:

da war die krankenversicherung, in der man sich ab 30 trotz studentenstatus freiwillig zu versichern hat, weil man ab 30 für die feinen herren halt doch irgendwie kein student mehr ist. und die kfz-haftpflicht, deren schadenfreiheitsklasse nach gewisser zeit ohne angemeldete karre einfach ma zurückgesetzt werden soll. nicht nur einmal hat die waschmaschine sich an unseren socken bedient und die halbe wohnung unter wasser gesetzt. der aquastop der spülmaschine verrichtete seinen dienst, allerdings ohne besonderen anlass. der tolle medienrechner im wohnzimmer war plötzlich auch nur noch toll und will seit kurzem mit medien nichts mehr zu tun haben. eine über tage funktionierende internetverbindung hat mittlerweile die wahrscheinlichkeit eines lottogewinns, im keller war mal wieder rohrbruch - und ich habe seit wochen komischen ausschlag und so ein nervöses zucken am linken auge...

das mit der krankenversicherung wollte ich eigentlich so lange hinauszögern, bis ich wirklich wieder krank bin - allerdings steht man in diesem land dann schon mit einem bein im knast, weshalb ein netter vorgesetzter so lieb war, die sozialversicherungsleistungen schließlich doch mit in meinen arbeitsvertrag aufzunehmen - wobei der laden ende märz eh die pforten schließt und ich mich spätestens dann als proband für medizinische studien registrieren lassen werden.

damit ich mich nicht dumm und dusselig zahle für eine irrwitzig hohe schadenfreiheitsklasse, habe ich mir nen übermotorisierten starlet zugelegt. 75 ps auf 145er schlittschuhkufen bei 400 kilo - das macht kein pneu lange mit, also sehe ich auch dort in naher zukunft außerplanmäßige ausgaben auf mich zukommen. immerhin bin ich mit der grünen plakette des vorbesitzers bislang ganz gut gefahren - bin ja nicht wahnsinnig, mir für die bekloppte umweltzone jetzt auch noch ne neue zu besorgen. außerdem hat mich dieser ökologische schwachsinn damals meinen geliebten 124er gekostet!

das anschreiben an die innung bezüglich einer fachfremdenprüfung in den bereichen sanitärtechnik und klempnerei ist schon aufgesetzt. ich kann wischen, schrauben, leeren, kippen und fluchen gleichzeitig, während ich mit einem arm die waschmaschine ankippe und mit den füßen nasskalte wäsche sortiere. außerdem kenne ich die ein-, aus- und umbautechnik der constructa domo c40 mittlerweile wie kein anderer.

unser medienzentrum kriegt bei nächster gelegenheit eine von mir zentriert - am besten dann, wenn der router sich aus unerfindlichen gründen mal wieder dazu entschließt, einfach das gesamte netzwerk zu zerschießen und daraufhin selbst die taschenrechner ihre segel streichen.

um bei der krankenversicherung zunächst nicht weiter aufzufallen habe ich mir selbst eine schöne medikation gegen das zucken gegönnt, die in ihrer hauptsache aus koffein besteht. nur für den fall, dass da später doch noch was kommen sollte, bin ich jetzt zusätzlich rechtschutzversichert. man weiß ja nie.

turbulent, das vergangene halbe jahr. immerhin haben sich einige dinge nicht geändert: der kugelschreiber steckt noch im ablaufschlauch fest, die langzeitstudiengebühren sind gleich geblieben und beziehungstechnisch läuft alles genau so, wie immer schon. hurra!

bei soviel gleichmut und stabilität sehe ich stürmische zeiten auf mich zukommen. obwohl... beständigkeit wird sowieso überbewertet.


Dienstag, 12. Juni 2012

wenn sie das haus verlässt II

du träumst von der guten alten zeit in der freiwilligen feuerwehr, wo nach jeder übung der grill angeschmissen und durst mit bier anstatt mit magen-darm-tee gelöscht wurde. das wiederholte klingeln deines handys wird bereits zum vierten mal in den traum eingebaut:
"nicht erreichbar zu sein, bedeutet viel zu tun zu haben!"
während du dich gerade wieder auf die andere seite drehst und kurz vorm wegsegeln den blick durchs zimmer schweifen lässt, klopft irgend ein idiot wie angestochen an der tür. du entscheidest dich für die üblichen 30 sekunden, die du dich sonst auch immer tot stellst, wenn dich jemand zu wecken versucht. immerhin hat dir das schon häufig zeugenpack, gez, vermieterin und verkehr vom hals gehalten. diesmal scheint ein besonders penetranter spinner an der pforte zu randalieren und nach drei minuten bist du schließlich wach genug, um aus dem bett zu springen und dem affen ohne vorwarnung eins auf die zwiebel zu geben.

chuck norris im kopf stapfst du schlaftrunken in richtung tür. du holst tief luft als dir plötzlich klar wird, dass da wohl doch niemand dein letztes hemd will, sondern sich die aufbackbrötchen von vorhin in der mikrowellen-grill-kombi spontan selbst entzündet haben. mit einer hand öffnest du im vorbeirennen die wohnungstür, mit der anderen greifst du nach der halbvollen tasse magen-darm-tee, die von der heiligen barbara in weiser voraussicht auf der anrichte stehengelassen wurde.

durch schwaden von schwarzem rauch erahnst du die ungefähre position des 2500 watt einzugsgeschenkes, holst aus - und nach einem knall erklingt von leisem knistern begleitet zum letzten mal das helle glöckchen:
"schatz, die brötchen sind fertig!"
flüstert dir von hinten dein nachbar ins ohr, dreht sich um, faselt dabei irgendwas von feuerwehr abbestellen und geht. die tür fällt ins schloss. ruhe is. einen augenblick lang lauschst du andächtig der stille - bis dein handy diesen moment jäh unterbricht. wacher als geplant schaust du aufs display. madame bovary.
"ich habe vergessen, die mikrowelle auszuschalten. nicht, dass da noch was passiert! und denk zur abwechslung mal an die blumen! ich weiß ja, dass du auf vertrocknetes gemüse stehst - aber meine orchideen brauchen etwas mehr aufmerksamkeit als deine gruselige ex!"
bei der gelegenheit schaltest du auf durchzug und blickst beim öffnen der fenster wie zum abschied auf dein altes bett, das sich mit letzter kraft der hydraulik des müllwagens entgegenstemmt. ein fernes knacken lässt dich auf dem weg in den keller kurz innehalten. jök is schlimmer as pien!